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Am Lotsenberg 15

Travemünder Häuser Nr. 69

Am Lotsenberg 15

Das Haus Am Lotsenberg 15 machte auf mich in meiner Jugend immer einen etwas verwunschenen Eindruck. Gelegen in einer Sackgasse, fast versteckt hinter großen Bäumen.

Am Lotsenberg 15Gebaut wurde es Ende des 19. Jahrhunderts. Die nachstehenden Informationen zum Schicksaal des Gebäudes verdanke ich Frau Inge von Heimburg, der Witwe von Anno von Heimburg und Karl-Heinz Dahl vom Erdbeerhof Warnsdorf:

Am Lotsenberg 15Das Gebäude gehört zu einer Reihe von Häusern an der im Zuge der Ortserweiterung Travemündes geschaffenen „Neustraße“, die mit der Neuplanung des Areals um den Kalvarienberg und des Leuchtenfeldes erbaut wurde. Laut den historischen Plänen setzte die ortsseitige Bebauung bereits um 1895 ein und wurde in den folgenden Jahren durch weitere Bauten ergänzt. Die „Neustraße“ wurde – wegen Namensgleichheit mit einer Lübecker Straße – dann in „Am Lotsenberg“ umbenannt.

Bei dem Gebäude handelt es sich um ein freistehendes, zweigeschossiges Wohnhaus, das in Backsteinbauweise erbaut wurde. Es besitzt straßenseitig einen zweigeschossigen Vorbau sowie eine Terrasse und einen darüber befindlichen Balkon. Es hatte ursprünglich vermutlich (Unterlagen darüber liegen nicht vor) die Funktion eines Sommerhauses (Zweitwohnhaus) großstädtischer Eigentümer. Es ist charakteristisch für die städtebauliche Entwicklung Travemündes, die mit Planung für eine Villenkolonie und Kureinrichtungen den Aufschwung Travemündes zu einem bedeutenden Seebad ermöglichen sollten.

Am Lotsenberg 15Unterlagen über den Erbauer und Erstbewohner des Gebäudes sind leider nicht mehrvorhanden. Gesichert ist, dass ab 1918 der pensionierte Generalmajor Paul von Heimburg und seine Frau Corinna dort lebten. Von ihren sechs Kindern hat mindestens die jüngere Tochter Gisela dort gewohnt.

Am Lotsenberg 15Paul von Heimburg starb am 21.04.1936 in Travemünde, seine Witwe am 19.11.1938. Das Haus blieb weiterhin im Eigentum der Familie von Heimburg und wurde nicht nur für Gisela, sondern auch für ihre Schwestern Christa und Ilse, sowie für Ilses Kinder Heimat nach Kriegsende und allmählich auch Pension für Feriengäste. Als Gisela 1973 starb, ging das Haus auf die Erbengemeinschaft der Enkelgeneration über, deren „Leitung“ Anno von Heimburg übernahm.

Dieser vermietete es 1973 an das Ehepaar Westerhoff. „Jo“ Westerhoff war Lehrer und Maler. Er hatte rund 1.000 Bilder geschaffen. Zurückblicken konnte er auf eine ca. einjährige Zusammenarbeit mit Pablo Picasso. Frau Westerhoff verstarb 2000, ihr Ehemann zog 2004 in ein Altersheim.

Am Lotsenberg 15Die Erbengemeinschaft verkaufte das Gebäude daraufhin an Karl-Heinz Dahl vom Erdbeerhof Warnsdorf. Für ihn stellte sich die Frage, wie er mit dem Erwerb umgehen sollte: Ein Abriß des Gebäudes, verbunden mit einem Neubau wäre sicherlich eine erheblich kostengünstigere Lösung gewesen, als eine umfangreiche Restaurierung. Der ersten Alternative stand allerdings das schleswig-holsteinische Denkmalschutzgesetz entgegen.

Am Lotsenberg 15Mit Bescheid vom Februar 2004 wies die Hansestadt Lübeck darauf hin, dass es sich bei dem Gebäude zwar nicht um ein Objekt handele, das von besonderer Bedeutung sei und somit in das Denkmalbuch der Hansestadt Lübeck eingetragen werde, aber dennoch als so genanntes „Einfaches Kulturdenkmal“ gem. §1 Abs.1 des schleswig-holsteinischen Gesetzes zum Schutze der Kulturdenkmale (DSchG) einzustufen sei. Damit war die Erhaltung aufgrund gesetzlich verankerten gesetzlichen Interesses festgeschrieben.

So kam auf Karl-Heinz Dahl und seinen Architekten Herrn Michaelsen aus Neustadt die Aufgabe zu, das Gebäude vor dem Verfall zu retten, ein Aufgabe, die, wie nun jedermann sehen kann, großartig gelungen ist und das Gebäude zu einem Schmuckstück gemacht hat.

Bei dem Grundstück von 1.700qm war teilweise die Erde abgesackt und das ganze Haus musste erneuert werden. Grundsätzlich wurde dabei der Zuschnitt wieder hergestellt, nur die Fensteranordnung und der Eingangsbereich sind verändert worden: letzterer liegt jetzt vorne statt an der Seite und bietet ein repräsentatives Entree. Die Wohnfläche beträgt ca. 220qm, dazu existiert ein noch nicht ausgebauter Dachboden.

Am 23.12.2004 konnte der neue Eigentümer Karl-Heinz Dahl dann sein Haus beziehen. Herzliche Glückwünsche und alles Gute!

Rolf Fechner

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