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Renate Susemiehl

Portraits Travemünder Personen

Renate Susemiehl

Realschullehrerin a. D.
Vorstandsmitglied
des Gemeinnützigen Vereins zu Travemünde e.V.

Eine Organisation, wie der Gemeinnützige Verein zu Travemünde, braucht viele Mitbürgerinnen und Mitbürger, die ihre Mitgliedschaft auch als Verpflichtung sehen und für den Verein, für „ihren“ Verein, Zeit und Mitarbeit zur Verfügung stellen, um die Aufgaben, die sich der Verein gestellt hat, in die Tat umzusetzen. Dass dieser Einsatz freiwillig und ehrenamtlich geleistet wird, ist dabei selbstverständlich.

Für die Organisation und Erteilung ist der Vorstand verantwortlich, der die verschiedenen Bereiche unter seine Mitglieder verteilt. Soweit, so gut. Funktionieren kann soziale Mitarbeit aber nur, wenn ein oder mehrere Mitbürger, Frauen oder Männer, es verstehen, zu motivieren und aktivieren, damit echte Freude aufkommt, und man auch Spaß an seiner freiwilligen Mitarbeit hat. Das sind die „Guten Geister“, die häufig ohne viel Aufhebens zu machen, unentwegt tätig sind und die Vereinsarbeit mit Geist und Seele füllen.

Der Gemeinnützige Verein zu Travemünde konzentriert einen großen Teil seiner Aufgaben und Arbeitsfelder in sein Vereinsheim am Godewind, dem Otto-Melchert-Haus, in dem sich Büro, Bücherstube und Saal befinden. Viele Veranstaltungen, wie z.B. der Bürgerstammtisch, die Nachmittagsveranstaltung „Kaffee und mehr“, Adventsveranstaltung, finden hier statt. Liedertafel, St. Lorenz-Gemeinde, auch die Stadt Lübeck und viele andere Gruppierungen nutzen die Räume und veranstalten hier Zusammenkünfte für die Öffentlichkeit oder in eigener Sache. Die Nachfrage nach Terminen ist mittlerweile so groß, dass ein regelrechter Stundenplan erstellt werden muss, damit keine Doppelbelegungen stattfinden. Und wer sorgt für den reibungslosen Ablauf und Betrieb? Frau Renate Susemiehl, der „Gute Geist“ des Otto-Melchert-Hauses!

Womit ich endlich beim Thema bin. Aber dieses „Vorwort“ musste sein, um den geneigten Leser auf das Portrait von Renate Susemiehl einzustimmen, für die das Otto-Melchert-Haus, besonders die Bücherstube, zum zweiten Zuhause geworden ist.

Renate Susemiehl wurde am 26. Januar 1933 in Bremen geboren und im März 1947 in Lesum bei Bremen konfirmiert. Die Jahre zwischen diesen beiden persönlichen „Ereignissen“ haben ihr Leben geprägt. Das „Tausendjährige Reich“, der furchtbare Krieg und die Not der ersten Jahre danach waren die bestimmenden Faktoren ihrer Jugendjahre. Im Februar 1952, als nach der Währungsreform die ersten Anzeichen des „Wirtschaftswunders“ am Horizont der Geschichte aufleuchteten, bestand sie ihr Abitur. Renate Susemiehl wollte Tierärztin werden. Aber ein Studium war aufgrund finanzieller und sozial-politischer Nachwehen des Krieges und mehrerer anderer Einflüsse nicht möglich.

Während der Kriegszeit konnte sie den kriegsbedingten Ernteeinsatz auf dem Hof einer Freundin ableisten. Der Umgang mit Pferden, Rindern und anderen Tieren bereitete ihr besonders viel Freude, und im Sattel hoch zu Ross fühlte sie sich besonders wohl. Ab 1953 besuchte sie die „Höhere Handelsschule“. Wegen ihrer Kenntnisse in der spanischen und englischen Sprache wurde sie anschließend als Sekretärin in der Korrespondenzabteilung der Fruchthöfe von Bremen und Hamburg bald unentbehrlich.

1955 übersiedelte sie im Auftrag der Firma, sehr zum Entsetzen ihrer Familie, nach Valencia in Spanien und war dort 10 Jahre erfolgreich tätig.

Mit dem ersparten Geld und großmütterlichen Hilfe ließ sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland nun ein Studium finanzieren. Von 1965 bis 1967 studierte Renate Susemiehl Germanistik, Anglistik und Pädagogik in Erlangen, anschließend 1968 in Kiel, wo sie ihr 1. Staatsexamen ablegte. Das Referendariat absolvierte sie in Plön, um schließlich von 1969 bis 1988 in Lübeck an der Johann-Kepler-Realschule bis zu ihrer Pensionierung zu unterrichten, wobei ihr die Verwaltung der Lehrerbücherei besonders am Herzen lag.

Ihr berufliches Leben war wie ein spannender Roman, mit vielen Begegnungen und Erfahrungen, Freunden und Weggefährten, die keine Langeweile aufkommen ließen.

Nach einer Rückenoperation durfte sie nicht mehr reiten und verlegte ihre sportlichen Aktivitäten mehr auf das Wasser. Über 20 Jahre segelte sie mit Dr. Schmidt, dem langjährigen ehemaligen Vorsitzenden des GVT. Der Erwerb der für größere Touren notwendigen Segelscheine (A, B und C) war dabei selbstver-ständlich. Als weitere Hobbies erwähnte sie Handarbeiten, Gartenpflege und Autofahren, wobei letzteres unentbehrlich für ihre vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten ist, sei es im Dienste des GVT oder als“Grüne Dame“.

Als Helferin von Siegfried Ziemann sammelte und sortierte sie Unmengen von Büchern, die von Mitbürgern aus Travemünde und Umgebung gespendet und angeliefert wurden, um anschließend auf dem St.-Lorenz- oder Nikolausmarkt verkauft zu werden. Sie sorgt für die Organisation im Otto-Melchert-Haus und dem reibungslosen Ablauf der Veranstaltungen, kurz, Frau Renate Susemiehl ist für uns unentbehrlich.

Zu dem Zeitpunkt, da dieses Portrait geschrieben wird, liegt Frau Susemiehl in der Lübecker Universitätsklinik. Eine plötzliche Krankheit bremste sie in der Ausübung ihrer vielen Tätigkeiten. Darum wünschen wir ihr hier und jetzt gute Genesung, und hoffen, dass sie beim Erscheinen dieser Ausgabe von „Unser Travemünde“ das Krankenhaus schon verlassen konnte.

Helmuth Wieck

„Wir haben uns am 28. April 2015 von Renate Susemiehl verabschiedet
und ihre Asche der Ostsee vor Travemünde überlassen.
Sie bleibt uns für immer unvergessen.
Der Vorstand des GVT“

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