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Torstraße 40

Travemünder Häuser Nr. 52

Torstraße 40

An der Ecke zur Danzmannstraße steht das Haus des allen Travemündern bekannten Malermeisters Werner Holst, der seit seiner Geburt in diesem alten Haus wohnt. Von der Torstraßenseite aus gesehen sieht man ihm sein hohes Alter aber nicht an, denn der vorgebaute rechteckige Giebel mit dem großen beinahe von der einen zur anderen Seite reichenden verandaartigen Erker und den beiden großen quadratischen Fenstern im Erdgeschoß ist erst um 1900 herum entstanden.

Das eigentliche Alter dieses Gebäudes kann man noch an dem alten Giebeldach erkennen, das den hinteren Teil des Backsteinhauses seit einigen Jahrhunderten vor Wind und Wetter schützt. Auch an der der Danzmannnstraße zugewandten Seite des Hauses ist ein später errichteter Gebäudeteil zu erkennen, so dass der Betrachter beim Anblick des Gebäudes die generationsabhängigen Erweiterungen der unterschiedlichen Zeitepochen erkennen kann.

Die Torstraße als Verlängerung der Kirchen und der Jahrmarktstraße ist die älteste und im Mittelalter außerordentlich wichtige Straße Travemündes, denn durch das alte Stadttor kommend betraten sowohl der müde Wandersmann, als auch der wohlhabende Kaufmann aus Lübeck kommend die kleine befestigte Stadt. Hier wurden rund um die Kirche die ersten Häuser gebaut, hier siedelten sich im Schutze der Stadtmauern Handwerker und Gewerbebetriebe an, die für die ankommenden und auslaufenden Schiffe und ihrer Mannschaften, sowie der zahlreichen Fischer und deren Familien notwendig waren.

Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert wurde Travemünde von mehreren verheerenden Bränden heimgesucht, da die meisten Häuser vorwiegend aus Holz gebaut worden waren. Als 1626 mit dem Bau der Festungsanlagen begonnen wurde, die die bereits vorhandene alte Müggenburg als Zitadelle mit einschloß, wurden als Baumaterial für die Innenstadthäuser vornehmlich Ziegelsteine benutzt, die dafür benötigte Tonerde war ja vor den Toren Travemündes reichlich vorhanden. Die letzte große Ziegelei der Familie Schütt wurde z.B. erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts stillgelegt. Einige Häuser im Festungsbereich, der aus einem „Wall mit nassem Graben“ bestand, stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert und stehen heute noch. Die meisten Gebäude wurden allerdings später gebaut, oft zweistöckig, um Platz zu gewinnen. Häufig stehen sie auf den alten Fundamenten, die in der Regel aus Granitsteinen bestanden, die als eiszeitlicher Nachlaß ebenfalls reichlich vorhanden waren.

Auch das Haus Torstraße 40 dürfte einen entsprechenden „Stammbaum“ haben. Wenn man das Haus betritt, erkennt man am Grundriß der Gebäudeteile auch die ehemalige kleinbäuerliche Nutzung des Grundstückes. Um den Innenhof herum gruppierten sich die Stallgebäude für einige Schweine, vielleicht auch für Kuh und Pferd. Im Hof war auch die Grube für den Misthaufen, die später zugeschüttet wurde. Das bedauert Malermeister Holst noch heute. Etwas modernisiert hätte er sie gut als Vorratsbunker für seine Farben und anderen Materialien gebrauchen können. Die Wohnräume waren zur Torstraße hin gelegen und im Laufe der vielen Jahre immer wieder umgebaut.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte das Grundstück dem Schornsteinfegermeister Pfeiffer, der wohl auch die „moderne“ Straßenfrontseite mit dem Erker bauen ließ. Immerhin war Travemünde schon 100 Jahre lang ein bekanntes Ostseebad, und auch die Altstadtbewohner beherbergten preiswert so manchen Kurgast. Viele Häuser in der Kurgartenstraße hatten ebenfalls einen solchen Erker, der bei den Kurgästen sehr beliebt war.

Torstraße 40Nach unserem Schornsteinfeger bewohnte der Malermeister Martens das Haus, der es schließlich 1913 an den Großvater des heutigen Besitzers Werner Holst verkaufte. Er hieß Friedrich Holst und war in dem verantwortungsvollen Beruf des Chausseewärters tätig. Sein Tätigkeitsbereich reichte von Ivendorf bis Brodten. Dieser wackere Mann vererbte das Haus seinem Sohn, den vielen Travemündern gut bekannten Schuhmachermeister Karl Holst. Dieser verstarb 1981.

Heute gehört das alte Anwesen dem selbständigen Malermeister Werner Holst. In den ehemaligen Wirtschaftsräumen waren nun Werkstatt und Malerutensilien untergebracht. Der Innenhof wurde mit einem Glasdach überdacht und ergab einen zusätzlichen großen Raum. Beinahe 50 Jahre lang, von 1949 bis 1989, hat Malermeister Werner Holst mit rund 5 Gesellen und Lehrlingen gewirkt. Jetzt genießt er mit seiner Frau Else den verdienten Ruhestand. Aber Werner Holst werden wir noch im Portrait gesondert vorstellen. Vorerst wünschen wir dem Haus Torstraße 40 und seinen Bewohnern noch viele Jahre voller Glück und Zufriedenheit.

Helmuth Wieck

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