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Bürgerpreisträger
des Gemeinnützigen Vereins zu Travemünde e.V.
2020

Bürgerpreiträger 2020 – Stephan Kanow, Foto Helge Normann

„Ich freue mich, wenn andere sich freuen.“
Stephan Kanow

Was macht eigentlich einen echten „Siedler“ aus? Eine erfrischend klare und positive Antwort darauf hat Stephan Kanow, der Bürgerpreisträger des Jahres 2020: „Ich möchte die Freude an der Gemeinschaft pflegen und weitergeben!“

Stephan Kanow ist in der Teutendorfer Siedlung in Travemünde aufgewachsen und wohnt heute mit seiner Familie in dem Siedlungshaus, das bereits seine Großeltern bewohnt haben.

Den Bürgerpreis erhält er für sein ehrenamtliches Engagement im „Siedlerbund“, dessen erster Vorsitzender er seit 2011 ist. Eigentlich heißt der Siedlerbund seit einiger Zeit „Verband Wohneigentum – Siedlergemeinschaft Travemünde“. Die Namensgebung sollte wohl etwas Modernität ausstrahlen – für die Mitglieder bleibt es doch der gute alte „Siedlerbund“ – und so wollen wir es auch in diesem Artikel halten.

Was also motivierte Stephan Kanow (und im Übrigen auch seine Frau Stefanie), sich seit nunmehr 13 Jahren im Siedlerbund zu engagieren? Auf diese Frage erzählt er lächelnd von vielen Erinnerungen aus seiner Kindheit, denn auch seine Großmutter war aktive Siedlerin, so dass er als Junge viele Aktivitäten in ihrem Wohnzimmer miterlebte. Damals waren es der Verkauf von Fackeln und Lichtern für den Laternenumzug, die umfangreichen Vorbereitungen für gemeinsame Ausflüge oder Feste. So wurden beispielsweise die Karten für Fahrten verkauft, indem Vertreter:innen des Siedlerbundes von Tür zu Tür gingen und fragten, wer gerne mitkommen würde – schon damals war Stephan Kanow bei diesen Touren durch die Siedlung dabei. Höhepunkte seiner Kindheit waren die Kinderfeste, die der Siedlerbund jährlich organisierte.

Und das war auch der Einstieg in die Vorstandsarbeit für das Ehepaar Kanow, als 2007 Hilfe bei der Organisation dieser Feste gefragt war. Als weiteres Ehrenamt folgte das des zweiten Vorsitzenden, bis Stephan Kanow 2011 den Vorsitz des Siedlerbundes von Jürgen Meier übernahm.

Die guten Erinnerungen sind das eine – der Vorsitz des Siedlerbundes im Jahre 2020 bedeutet sicherlich andere Herausforderungen. Stolze 250 Mitglieder zählt die Siedlergemeinschaft Travemünde, bei den Aktivitäten für die Mitglieder braucht es jedoch neue Impulse. Selbst das Konzept für das immer so beliebte Kinderfest wird überarbeitet und den aktuellen Bedürfnissen der Familien angepasst.

Umso mehr freut sich Stephan Kanow über eine ganz aktuelle Idee eines neuen Mitgliedes aus der jüngeren Generation: ausgerechnet 2020, im Jubiläumsjahr zum 85. Geburtstag der Siedlung, musste der traditionelle Laternenumzug Corona-bedingt abgesagt werden. Die junge „Siedlerin“ schlug vor, dass zum 3. Oktober die Siedlungsgärten wie sonst zum Laternenumzug geschmückt werden sollten und alle zum Spaziergang durch die Siedlung eingeladen werden – dann eben in Kleingruppen, ob mit oder ohne Laternen. Der Vorstand des Siedlerbundes nahm diese Idee gerne auf – ob wirklich viele mitmachen würden? Doch siehe da: zum geplanten Wochenende waren sehr viele Gärten erleuchtet und geschmückt, so dass ein Spaziergang sich wirklich lohnte. Stephan und Stefanie Kanow hatten ebenfalls einen großen Rundgang durch die Siedlung geplant. Ihre Runde fiel dann etwas kleiner aus, da sich in der Nachbarschaft nette „Zaun-Runden“ gebildet hatten, die zum Klönschnack einluden. „Die leuchtende Siedlung und dass sich so viele beteiligt haben – das hat mich wirklich begeistert!“ strahlt Stephan Kanow.

Neben den ehrenamtlichen Tätigkeiten gibt es selbstverständlich auch einen Hauptberuf: Stephan Kanow ist seit 2003 selbstständiger Zimmermeister. Die Berufswahl kommt nicht von ungefähr, denn er entstammt einer Handwerkerfamilie von Maurern und Bootsbauern. Nach seiner Ausbildung in Lübeck arbeitete er einige Jahre als Geselle und machte im Jahre 2002 seinen Meister. Er liebt seinen Beruf – vor allem, weil er sehen kann, was er geschafft hat, wenn er abends eine Baustelle verlässt. Auch zu diesem Thema erinnert er sich an Spaziergänge in der Kindheit, bei denen der Vater bei diesem oder jenem Gebäude stehen blieb und sagen konnte: „Sieh mal, an diesem Haus habe ich mit gebaut!“

Berufliche Selbstständigkeit und vielfältiges ehrenamtliches Engagement – das geht nicht ohne Unterstützung in der Partnerschaft. So ist Stephan Kanow froh, dass seine Frau Stefanie ebenfalls als Vorsitzende der Frauengruppe und Schriftwartin im Siedlerbund aktiv ist und beide die Grundideen der Gemeinschaft schätzen. Kennengelernt haben sich die beiden im Übrigen – wie sollte es anders sein – in der Siedlung als Nachbarskinder in der St.-Jürgen-Straße.

Ein weiteres Ehrenamt von Stephan Kanow soll ebenfalls gewürdigt werden, denn er ist auch seit 2011 erster Vorsitzender der Travemünder Dienstleistungs- und Handwerkergemeinschaft (TDHG). Diese Gemeinschaft umfasst 45 Mitglieder, dabei sind aktive Unternehmer ebenso dabei wie einige Ruheständler. Bei den monatlichen Treffen geht es teilweise um fachlichen Austausch, teilweise um das Pflegen der Kontakte oder auch um die Planung von Aktivitäten im Ort. Die Gemeinschaft richtet jährlich das Handwerkerfest aus und beteiligt sich an vielen weiteren Aktivitäten im Ort, sei es dem Aufstellen des Maibaums oder an der Ostereierparade oder dem Weihnachtsmarkt.

Mit dem Geld, das bei diesen Aktionen eingespielt wird, unterstützt die Gemeinschaft regelmäßig Vereine oder Projekte im Ort – auch keine Selbstverständlichkeit!

Wie sieht die Bilanz des aktiven Ehrenamtlers Stephan Kanow aus? Gibt es so etwas wie Amtsmüdigkeit? Wenn überhaupt nur beim Abbauen nach einem Handwerkerfest, aber das geht schnell vorüber. Dafür ist seine Freude an der Freude anderer einfach zu groß, sei es, dass sich die Spendenempfänger mit einem bunten Gruß bei der TDHG bedanken, sei es, dass die Siedlergemeinschaft in beleuchteten Gärten feiert. Und weil das sicher noch eine Weile so bleiben wird, bleibt auch unser Bürgerpreisträger 2020 weiterhin ein positiv-optimistischer und vielbeschäftigter Ehrenamtler.

Christine Jaacks-Mirow/GVT
Foto: Helge Normann

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