Bürgerpreisträger
des Gemeinnützigen Vereins zu Travemünde e.V.
2026

Ehrenamtlicher Kreis Ostseestraße (EKO)
„Respekt und Achtung füreinander – Freude an gutem Miteinander“
Es ist selten, dass zu der Verleihung des Bürgerpreises des Gemeinnützigen Vereins Travemünde ein Preisträger oder eine Preisträgerin mit einem „Fan-Club“ erscheinen kann. In diesem Jahr war das der Fall: zur Preisübergabe an die Vertreterinnen des Ehrenamtlichen Kreises Ostseestraße (EKO) kamen viele, die die Arbeit dieses Kreises zu schätzen wissen. Die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen der Gemeinschaftsunterkunft Ostseestraße und Mitarbeiterinnen der Stabsstelle Integration der Hansestadt Lübeck ließen es sich nicht nehmen, die stolzen Ehrenamtlichen bei der Preisverleihung zu begleiten.
Die engagierte Gruppe, die Geflüchteten in der Travemünder Gemeinschaftsunterkunft seit nunmehr zehn Jahren mit Rat und Tat zur Seite steht, war sehr überrascht von der Nachricht, dass sie die Bürgerpreisträger des Jahres 2026 werden sollten. Das sagt einiges über das Selbstverständnis des Kreises von aktuell etwa zwölf Personen aus: es geht ihnen um das konkrete Tun, nicht um plakatives Zur-Schau-Stellen ihres Engagements.
Seit dem ersten Treffen von Interessierten im Gemeindehaus am Teutendorfer Weg im Jahr 2016 ist viel passiert – viele Personen und Familien aus den verschiedensten Herkunftsländern haben ihre vorübergehende Bleibe in Travemünde gefunden. „Wie können sie in unserem Land und in unserem Ort gut ankommen und was brauchen sie dafür – abgesehen von einem Dach über dem Kopf?“
Die Antwort der EKO-Aktiven: es braucht vor allem Begegnung und die Möglichkeiten, sich mitzuteilen. Das „Mitteilen“ kann dabei durch Sprache, aber vor allem auch durch künstlerische Mittel erfolgen. Weil der Kreis der ehrenamtlich Aktiven vielfältige eigene Fähigkeiten und Ideen einbringt, gibt es in der Ostseestraße Kunst- und Nähkurse und es wird Keramik hergestellt – alles auf qualitativ hohem Niveau, wie in mehreren Ausstellungen bereits zu bewundern war. Von Beginn an gehören individuelle Sprachkurse, sowie die Unterstützung einzelner im deutschen Behördendschungel zum Angebot des Kreises.
Ein großer Schwerpunkt der Arbeit des EKO war und ist die Betreuung der Kinder in der Unterkunft. Für sie organisieren die Ehrenamtlichen attraktive Ferienprogramme mit Ausstellungs- oder Museumsbesuchen. Hausaufgabenhilfe und natürlich die vielen Kreativ-Möglichkeiten runden das Angebot ab.
Ein Highlight der letzten Jahre war die Zusammenarbeit mit dem der Unterkunft gegenüber gelegenen Seniorenzentrum, dem Alloheim. Wiederum über die Kunst als gemeinsamer Ausdrucksmöglichkeit gab es sehr schöne und bewegende Begegnungen der Kinder aus der Unterkunft mit den Seniorinnen und Senioren.
Die Zusammensetzung des EKO hat sich seit seinem Bestehen verändert. Einige sehr aktive Mitglieder sind aus Travemünde weggezogen, einige engagieren sich auf anderen Gebieten. Bezeichnenderweise haben sich die Lücken im „Kreis“ immer wieder geschlossen und einige Mitglieder sind von Beginn an dabeigeblieben.
Was motiviert die Mitglieder, sich immer wieder auf neue Menschen und Familien einzulassen, deren oft traumatische Erfahrungen ein wenig mitzutragen? Und – auch das soll nicht verschwiegen werden – sich zum Teil Anfeindungen ausgesetzt zu sehen, weil sie „denen da“ helfen möchten.
Hierauf mag es unterschiedliche Antworten geben – so unterschiedlich, wie auch die Mitglieder des EKO sind. Ein Gedanke könnte doch für die meisten zutreffen, so Christiane Wosnitza-Steinhof, die aktuelle Koordinatorin des Kreises: „Wir sind dankbar für vieles, was wir in unserem Leben erfahren haben, und möchten davon etwas zurückgeben.“
Der Lohn für das Engagement sind dann die besonderen Erlebnisse, die aus den Begegnungen mit den Menschen in der Ostseestraße entstehen. Da ist es die Freude über das Finden der ersten eigenen Wohnung in Deutschland oder der Ausbildungsplatz, bei dessen Suche geholfen werden konnte. Oder die besonderen Momente der Begegnung zwischen Alt und Jung mit den älteren Herrschaften aus dem Alloheim, in denen Verbindungen von Herz zu Herz entstehen.
In den Gesprächen mit Mitgliedern des EKO wird immer wieder erwähnt, wie gut und unersetzlich die Zusammenarbeit mit den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen in der Ostseestraße ist. So hoffen alle sehr, dass diese Trägerschaft im Sinne aller Beteiligten erhalten bleiben wird, auch wenn jüngsten Pressemitteilungen zufolge die Trägerschaft der Gemeinschaftsunterkunft durch die Hansestadt Lübeck neu ausgeschrieben werden muss.
Der EKO setzt seine Arbeit in der Ostseestraße fort, die nächsten Highlights wie die Teilnahme an der Kunstausstellung im Kreuzfahrtterminal anlässlich der Travemünder Woche sind bereits geplant.
Und der Kreis hat immer Platz für Erweiterung und heißt Interessierte herzlich willkommen!
Christine Jaacks-Mirow
Foto © Dr. Udo Ott
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