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Travemünde Ortschild

2006 – Heft 2 / 327

K R I T I C U S

„Geht doch“ dachte der KRITICUS, als er nun vernahm, dass die Travemünder sich mehrheitlich für den Namen Fährplatz entschieden haben. Nun hat das Kind einen Namen! Jeder weiß nun auf welcher Fläche der Ortsrat dem Bausenator ein Paar Parkplätze abgetrotzt hat; wollte der doch das „Blech“ ganz vom Platz verbannen, um der wunderschönen Architektur mehr Gesicht zu geben.

Dieses Gesicht wird zur Fratze, wenn die Travemünder nun feststellen, dass das gehobene Ambiente durch ein alle 14 Tage wiederkehrendes Sommerlager von Schaustellern erreicht werden soll.

Wäre dann nicht der Name Rummelplatz richtig gewesen, auf dem Karussells und Schiessbuden den Blick auf die Trave verstellen, damit diejenigen, die ja einen Teil der Kosten getragen haben und ganzjährig Steuern und Abgaben nach Lübeck abführen, nicht ins Schwärmen und Träumen geraten, sondern Zeit haben sich Gedanken zu machen, ob es nicht sinnvoller wäre, Gewerbesteuer woanders zu zahlen????

Nicht verständlich ist dem KRITICUS und allen, die er gesprochen hat, die geplante Verkehrsführung auf dem Fähr-Rummelplatz. Verkehrsschilder haben nun schon ihre endgültige Position eingenommen und wie es aussieht, soll der durch die Fertigstellung der A 20 schon reduzierte Fährverkehr nun durch einen Schilderwald ganz zum Erliegen kommen. Bekanntlich genießt der Wald heute ja berechtigterweise hohe Schutzwürdigkeit und so ist mit einer Veränderung dieses Schild-Bürgerstreich-Waldes nicht mehr zu rechnen.

Der orientierungslose Autofahrer wird also gezwungen, sich über alle gültigen Verkehrsregelungen hinwegzusetzen und sich selbst einen Weg zu suchen, um den dann wahrscheinlich letzten Fährmann in Travemünde noch zu finden. Hierbei wird er, was nahe liegend ist, den Weg durch die historische Altstadt wählen. Damit wird dann die ebenfalls schutzwerte historische Bausubstanz weiter gefährdet und die Attraktivität Travemündes weiter gesenkt.

Da schleicht sich in die Gehirnwindungen des KRITICUS, die scheinbar noch vorhanden sind, da er den Schmerz über das zuvor geschilderte noch recht deutlich verspürt, ein unbestätigter Verdacht. Ist dies vielleicht alles so geplant? Will man mit dieser Abbruchvariante das Viertel um die Kirche in einen leisen Tod führen, um damit weiteren Platz für einen lauten Rummelplatz zu schaffen? Spätesten jetzt nimmt der Schmerz überhand und der KRITICUS wendet sich mit Grausen.

Er wendet sich einem anderen Phänomen zu, den Erlebnisparkplätzen in Neu-Travemünde.

Es kann nur ein gewaltiges Erlebnis sein, als Gast durch knöcheltiefe Pfützen zu einem Parkscheinautomaten zu waten, den Obolus an einer hochmodernen Anlage zu entrichten, um dann über das Schlachtfeld des norddeutschen Wetters wieder zu seinem Auto zu gelangen, um den Parkschein zu deponieren, damit er anschließend in Travemünde sein Geld ausgeben kann.

Ein Erlebnis wird es mit Sicherheit auch für die Anwohner, wenn die Automaten in Betrieb genommen werden. Die dort wohnenden Menschen müssen ihr Fahrzeug wahrscheinlich in den Parkscheinautomaten vorübergehend miniaturisieren, um es bis zur nächsten Nutzung im heimischen Briefkasten zu parken, was sicher nur erlaubt sein wird, wenn der Besitzer das Auto für diesen Zeitraum mit 0,55 EURO städtischem Porto frankiert.

Denkt denn keiner an die Menschen, die in diesem Ort leben?

Ist hier wieder der 4. Schritt vor dem 1. gemacht worden?

Ist das logische System PPP durch AAA ersetzt worden?

Im Klartext müssten die Ausbaustufen heißen:

Parkplatz, Parkleitsystem, Parkgebühren
und nicht
Abzocke, Abzocke, Abzocke!

Der KRITICUS.

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