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Travemünde Ortschild

2002 – Heft 3 / 312

K R I T I C U S

hat sich fest vorgenommen, jetzt kurz vor der Bundestagswahl keine eigene Partei mehr zu gründen, da sonst die Konkurrenz mit den anderen großen und nicht so großen Parteien zu stark werden würde, und das will der KRITICUS möglichst vermeiden, um nicht noch mehr Unruhe bei den Wählerinnen und Wählern und solchen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die gar nicht wählen, zu stiften. Auch hat er sich vorgenommen, den Kurbetrieb durch eigene politische Aktionen in seiner Neutralität nicht zu stören. Er wird also weder mit dem Fallschirm abspringen noch mit einem U-Boot in der Trave auftauchen, um die politische Meinung der Travemünder Bevölkerung zu beeinflussen. Das tut der KRITICUS lieber nicht, weil er weiß, dass er da nicht mehr viel bewirken könnte, obwohl er viele kritische Anmerkungen für die Bereiche der kleinen und der großen politischen Maßnahmen und Entscheidungen auf Lager hätte. Aber er will ja auch seinen Gemütszustand nicht zu sehr frustrieren.

Lieber geht er jetzt im Sonnenschein spazieren, legt hier und da ein Päuschen ein und freut sich, wenn er eine Bank zum Ausruhen und für ein Plauderminütchen findet, denn er trifft viele ihm wohl bekannte und auch freundschaftlich verbundene Menschen. Weil er auch nicht mehr der Jüngste ist, mag er solche öffentlichen Sitzgelegenheiten außerordentlich gut leiden. Während der Travemünder Woche besucht er auch öfter die Brennpunkte des Geschehens am Yachthafen und in der Vorderreihe. Was kann man da nicht alles beobachten; jede Menge Schiffe und viele Menschen sorgen für ein abwechslungsreiches Geschehen.

Früher hat der KRITICUS mit Vorliebe die Vorderreihe aufgesucht. Seine „Stammbank“ stand gegenüber vom Kaufhaus Matzen. Da saß er gern mit seiner Frau. Sie genoß ein schönes Speiseeis vom Italiener und er durfte auch etwas abschlecken. Manchmal wurde über die an ihm vorbeigehenden Menschen ein wenig spekuliert, etliche wurden begrüßt und setzten sich mitunter auch dazu. Richtig schön war so ein kleines Ruhestündchen. Nun ist ja nach dem alten Sinnspruch „Was lange währt, wird gut“ die Vorderreihe von der Außenallee bis zur Rose endlich fertiggestellt worden und bietet einen richtig schönen Anblick. Die Geschäfte und Gasthäuser jeglicher Art haben viel Platz für ihre Ausstellungen oder gastliche Stätten. So ein ganz klein bisschen erinnert dieser Anblick an den Berliner Kurfürstendamm mit seinen vielen Straßencafes und Geschäften.

Eines Tages während der Travemünder Woche, der Sommer war plötzlich zurückgekehrt und die Sonne schien vom blauen Firmament, hatte der KRITICUS und seine Frau richtig Lust, endlich nach langer Zeit zur Vorderreihe zu gehen, um das interessante Treiben zu Lande und zu Wasser zu betrachten. Ein leckeres Eis sollte natürlich den kleinen Ausflug vergolden, und man freute sich richtig darauf. Ja, und dann kam die große Enttäuschung. Die Bänke waren nicht mehr vorhanden; manchmal zierten Fahrradständer die Lücken zwischen den Bäumen, das war aber auch schon alles.

Da waren der KRITICUS und seine Frau doch richtig enttäuscht. Die Vorderreihe soll doch eine „Promenade“ werden, aber was ist eine „Promenade“ ohne Bänke, auf denen man als Promenierender seine kleinen Pausen einlegen kann.

Hat sich doch der KRITICUS, misstrauisch, wie er eben manchmal ist, überlegt, ob nicht die gegenüberliegenden Cafe und Restaurantbesitzer gedacht haben, dass man doch bei ihnen pausieren sollte, um natürlich selbstverständlich gegen Euros zu essen und zu trinken. Nein, ich glaube, da irrt sich der KRITICUS. Diese Idee hat mit Sicherheit sein kritisches Gehirn konstruiert. Oder, die Planer dieser schönen Meile haben die Bänke schlicht vergessen. Kann er eigentlich nicht glauben. Vielleicht sind die Bänke noch nicht fertig oder auch zu teuer. Dann könnte man ja einmal Travemünder Vereine und Firmen, sogenannte Sponsoren, um Unterstützung bitten. Aber auf alle Fälle und zur promenadengerechten Ausstattung gehören hübsche und bequeme Bänke auf die Vorderreihe, meint jedenfalls der KRITICUS.

Sollten aber vor dem Erscheinen von Unser Travemünde diese nützlichen und gästefreundlichen Sitzgelegenheiten schon aufgestellt worden sein, würde er sich sehr freuen und um Nachsicht bitten. Aber so richtig glaubt er nicht daran, der

KRITICUS.

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