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Travemünde Ortschild

2007 – Heft 3 / 332

K R I T I K U S

Nach einem fantastischen April und schönem Wetter bis weit in den Mai hinein, war der Juni der Monat, in dem der Sommer schon wieder zu den Akten gelegt wurde. Da erzählten die Menschen dem Kritikus, ihnen würden ob der vielen Nässe von oben Schwimmhäute zwischen den Zehen wachsen. Er bemerkte aber niemanden, der sich im Entengang vorwärts bewegte. Auch die Anzahl der Aufführungen von Ententänzen soll nicht überproportional zugenommen haben. Der Kritikus fand unser Travemünde auch mit wasserdichtem Schuhwerk schön und stellte zufrieden fest, dass es vor und nach dem Regen trocken ist.

Doch oh weh, just recht zur Erntezeit kam er, der Langersehnte und er war heiß und trocken. Das Dorf war voller Menschen, abends war kaum ein Platz in der Außengastronomie zu bekommen und tagsüber war bei den Gästen Travemündes Strandleben angesagt.

Bei seinem Wochenmarktbesuch stellte der Kritikus die ersten Anzeichen einer Stimmungswende fest. Die hier bisher geführte Antiregendebatte wandelte sich schlagartig in eine gegen Sonnenscheindiskussion und es fehlte nur noch eine Stimme zur Gründung einer Bürgerinitiative zur Reglementierung der Sonnenscheindauer unter Einbeziehung der Schleswig-Holsteinischen Windräder zur Zuführung von Frischluft über 23 Grad Celsius. Der Kritikus erledigte lang anstehende Arbeiten im Keller und war hier sicher vor den Werbern für eine Stöhndemonstration, die aber nur bei erträglichen Temperaturen durchgeführt werden sollte.

Die gegensätzlichen Wetterlagen lassen den Menschen augenscheinlich die Dinge, die einst von immenser Wichtigkeit waren, nicht mehr wahrnehmen. Da beschwerte sich doch tatsächlich jemand über die fehlende Beleuchtung am Verbindungsweg zwischen Moorredder und Nordmeerstraße. Auf den Einwand, diese sei bereits in der dunklen Jahreszeit im Betrieb genommen worden, wurde entgegnet: Dann hätten „Die“ ja auch ein paar Fahrradbügel installieren können. Wahrscheinlich hat die Sonne dort außerordentliche Blendwirkung.

Nicht im Weltall, sondern in Travemünde gibt es ein schwarzes Loch weniger. Nicht etwa im Asphalt, das würde noch nicht einmal dem Kritikus auffallen. Nein, die Kurverwaltung hat eine Solarlampe aufgestellt. Wo? Das verrät der Kritikus nicht, denn wie sollte etwas auffallen, das es nicht mehr gibt? Oder freut er sich hämisch auf den nächsten Beschwerdeführer?

Ihr KRITIKUS

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