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Travemünder Notizen

Heft 4 / 388  Oktober bis Dezember 2021

01.–10. August 2021: Circa 1.000 Segler und Seglerinnen bestreiten 20 Meisterschaften, circa 10.000 Gäste sind an Land. Das sind die Zahlen der 132. Travemünder Woche. Nachdem sie letztes Jahr wegen der Pandemie ausfallen musste, findet sie in verschlankter Form in diesem Jahr statt. Unter Corona-Bedingungen: Ein großes sportliches Programm begleitet von einem verkleinerten Landprogramm. Heute endet sie.

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Ein Drei-Mast-Toppsegelschoner namens „GULDEN LEEUW“ hat bei uns festgemacht. Das siebzig Meter lange Schiff wird 1937 unter dem Namen M/S DANA im Auftrag des dänischen Landwirtschaftsministeriums gebaut. Es besitzt die Eisklasse, darf also auch in vereisten Gewässern fahren. 2007 wird es vom heutigen Eigner für seine Zwecke umgebaut und fährt unter niederländischer Flagge. Es hat Platz für 200 Passagiere.

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Rund 12 Millionen t Gesamtumschlag im Hafen im ersten Halbjahr. Das entspricht einem Anstieg um 13 % zum Vorjahr. Der Umschlag von Kfz nahm zu. Auch das Ro-Ro-Geschäft und der Intermodalverkehr trugen u. a. dazu bei und konnten den bei den Forstprodukten entstandenen Rückgang abfedern.

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19.–28. August: Am dreiundzwanzigsten Januar 1937 wird Friedrich Paul von Groszheim auf Grund seiner Homosexualität verhaftet und zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. 1938 kommt es zu einer erneuten Verhaftung und nur durch eine Kastration kann er dem KZ Sachsenhausen entgehen. 1943 wird er als Monarchist und Anhänger von Kaiser Wilhelm II. erneut inhaftiert; er kommt in ein Außenlager des KZ Neuengamme. Er überlebt. 2006 verstirbt er in Hamburg. Die Initiative Stolpersteine verlegt zusammen mit dem CSD e. V. einen Stolperstein in der Kaiserallee 11, seinem damaligen Wohnort. Dies ist der erste Stolperstein in Travemünde.

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Außergewöhnlicher Heiratsantrag mit ebenso außergewöhnlichen Mitteln: In diesem Jahr findet sie wieder statt, die Beetle Sunshinetour. Hier wird der Antrag gestellt. Fünf Autos und die jeweiligen Fahrertüren derselbigen werden benutzt. Auf den Türen stehen die einzelnen fünf Worte: Ann Jana-willst-Du-mich-heiraten? Den Medien ist zu entnehmen: Die Befragte hat „Ja“ gesagt.

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29.–30. August: Auf ihrem Ostseetörn, der sie auch u. a. nach Schweden führt, macht die MS EUROPA Halt bei uns. In der Reisebeschreibung ist für Travemünde übrigens zu lesen: „Mit weitläufigen Stränden und gemütlichen Cafés begrüßt Sie Travemünde.“

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Die Freiwilligen Feuerwehren Travemünde und Ivendorf und die Berufsfeuerwehr können mit ihrem professionellen Vorgehen Schlimmeres verhindern. In einem Keller in einem Gebäude am Howingsbrook/Ecke Nordmeerstraße ist ein Brand ausgebrochen. Starker Qualm hat den Weg durch das Treppenhaus versperrt. Hierfür ist auch die Drehleiter vorsichtshalber einsatzbereit, wird aber nicht gebraucht. Der Brand kann schnell gelöscht werden. Menschen kommen nicht zu Schaden.

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03.–11. September: Wenn man sich ohne gesetzte Segel und ohne laufenden Außenbordmotor im Fahrwasser der Trave befindet, fällt man auf. Die Wasserschutzpolizei muss eingreifen. Letztendlich stellt man eine Gefahr für sich selbst und die Schifffahrt dar. Beim Näherkommen wird zusätzlich die Ausbringung einer Angel festgestellt. Aufgrund des bestehenden Angelverbotes ist dies als Fischwilderei einzustufen. Das reicht bei diesem Vorfall aber nicht. Durch Konsumierung von Alkohol und Marihuana kommt noch ein Ermittlungsverfahren wegen Trunkenheit im Verkehr und wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln obendrauf. Das Boot wird durch eine begleitende und fahrtüchtige Person sicher in den Hafen gebracht.

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Der Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer e. V. feiert die Eröffnung der Naturwerkstatt Priwall. Für Groß und Klein, für Menschen von nah und fern bietet sie eine Möglichkeit zum Einblick in die Einzigartigkeit des Naturraumes Priwall.

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Schwarzer Qualm treibt über die Trave Richtung Fischereihafen. An Bord eines Motorbootes ist es zu einer Explosion gekommen. Die Besatzung kann von Bord springen und wird vom Seenotrettungsboot „Erich Koschubs“ an Bord genommen. Das havarierte Boot treibt führerlos in Richtung Steganlage. Feuerwehreinheiten der FFW Travemünde und Ivendorf löschen von Land aus. Sie bekommen Unterstützung durch das Feuerlöschboot. Ein Sinken des Bootes ist nicht zu verhindern. Maßnahmen zur Minimalisierung von Umweltschäden werden ergriffen.

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Zu einem stückweit normalem Sommerprogramm gehört bei uns auch die „7-Türme-Veteranen-Fahrt“. Es ist keine klassische Oldtimerrallye. Geschwindigkeitsprüfungen finden nicht statt. Das Teilnehmerfeld ist nicht in Klassen eingeteilt. Aber es gibt Sonderprüfungen rund um das Oldtimerhobby, und es werden verschiedene Aufgaben gestellt, die es zu lösen gibt. Als Oldtimer gelten zwei-, drei- und vierrädrige Fahrzeuge die vor Ende 1996 gebaut wurden. Die Siegerehrung findet bei uns im Brügmanngarten statt.

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15.–20. September: Die Reste des explodierten Motorbootes werden geborgen. Wieder kommt die Priwallautofähre als „Schwimmkran“ zum Einsatz. Der auf ihr positionierte Kran legt das heraufgeholte, sicher in seinem Hebeband liegende, Boot auf einer Schute ab. Es wird nun im Bauhof begutachtet, um den Grund der Explosion zu ermitteln.

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Die Fahrten mit den Priwallfähren werden ab Januar 2022 wieder teurer. Dies beschließt der Aufsichtsrat der Stadtverkehr Lübeck GmbH.

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Aktive und engagierte Travemünderinnen und Travemünder packen wieder mit an. Für ein sauberes Travemünde. Wieder perfekt organisiert vom Haus der Jugend mit der Dienstleistungs- und Handwerkergemeinschaft. Die Jugendfeuerwehrgruppe ist ebenso mit von der Partie. Aus Gründen der Pandemie musste der Termin aus dem März verschoben werden. Bürgermeister Jan Lindenau ist mit dabei. Die Entsorgungsbetriebe Lübeck nehmen gleich vor Ort den gefundenen Müll entgegen. Von der Travemünder Dienstleistungs- und Handwerkergemeinschaft und dem Gemeinnützigen Verein zu Travemünde wird für das leibliche Wohl nach getaner Arbeit gesorgt. Sie sponsern Getränke und Bratwurst.

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29.–30. September: Die Hansestadt Lübeck fördert private Baumpflanzungen. Es geht um nicht weniger, als die Möglichkeit einen Beitrag zum Klimaschutz und Erhalt der biologischen Vielfalt zu leisten. Jeder Baum hilft dabei. Einhundertfünfzig Euro Zuschuss stellt die Stadt nun für jede Pflanzung eines Baumes im Bereich des privaten Grundstückes zur Verfügung. Dies gilt im Gebiet der Stadt Lübeck.

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Notruf von einer, auf Travemünde zulaufenden Segelyacht. Es wird eine leblose Person gemeldet. Von der Seenotleitung aus dirigierte ein Notfallsanitäter Wiederbelebungsmaßnahmen an Bord. Die Besatzung der heraneilenden „Erich Koschubs“ führte die Reanimation fort. Mit Erfolg. Zuvor hatte die Besatzung schon Unterstützung durch das Lotsenboot „Travemünde“ gebeten. Dieses bringt das Landrettungsteam bestehend aus Notärztin und Notfallsanitäter zur Patientin auf See. Diese übernahmen die Stabilisierung der geretteten Frau noch vor Ort an Bord. An Land wurde sie mit dem Rettungswagen in die Klinik gebracht. Die unter Schock stehende Crew der Segelyacht wurde von den Seenotrettern betreut.

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Der diesjährige Weltschifffahrtstag steht unter dem Motto: „Seeleute: Das Herzstück der Zukunft der Schifffahrt“. Dieses Jahr werden Einrichtungen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, die der Sicherheit der Schifffahrt, dem Schutz der Besatzungen und dem sicheren Transport der Güter dienen, blau illuminiert. Bei uns gehört dazu die Verkehrszentrale und das Molenfeuer.

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01.–03. Oktober: Der tägliche Einsatz der Norderfähre wird weiterhin betrieben. Durch die Corona-Pandemie und der CovEx-Strategie in Sachen Tourismus sind kaum verwertbare Daten ermittelt worden. Um die Beurteilung eines Ganzjahresbetriebes vornehmen zu können, wird der Probebetrieb bis zum 30.06.2022 fortgesetzt.

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Notruf von See: Ein Katamaran ist zwischen Sierksdorf und Haffkrug gekentert. Es herrscht Windstärke 5 und die Wassertemperatur beträgt 16 Grad Celsius. Die Crew, bestehend aus Vater und Sohn, bekommt große Schwierigkeiten. Dem Sohn gelingt das Aufrichten des Bootes, aber nicht die Bergung des Vaters. Der Katamaran treibt immer weiter Richtung Land, der Vater aber Richtung offene See. Durch die Zusammenarbeit zwischen den Seenotrettungsbooten „Henrich Wuppesahl“ (Station Neustadt) und „Erich Koschubs“ (Station Travemünde), sowie dem Seenotrettungskreuzer „Felix Sand“ (Station Grömitz) , einem Hubschrauber der Bundespolizei und mehrerer Segelyachten gelingt die Rettung der beiden Schiffbrüchigen. Die Hubschrauberbesatzung entdeckt den Abgetriebenen, er wird von einem Boot aufgenommen und von der „Erich Koschubs“ übernommen. Trotz hervorragender seetauglicher Kleidung des Mannes kommt es zu einer Unterkühlung.

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03.–17. Oktober: Letztes Jahr wird der Himmel nur von wenigen Drachen genutzt. Dieses Jahr sind sie wieder da. Wenn auch die Veranstaltung in kleinerem Maße stattfinden muss. Mannigfache Figuren, zum Teil zu bestimmten Themen, sind zu sehen. Vielfältige Eigenbauten. Sogar ein Leuchtturm findet sich dabei. Die Ausmaße in Länge und Breite übertreffen sich gegenseitig. Bei Windverhältnissen von 5 bis 6 Bft ist das Lenken dieser Fluggeräte eine große Herausforderung.

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Am Ostpreußenkai macht die „MS HAMBURG“ fest. Das Wetter ist sehr norddeutsch. Auf dem Programm steht ein Halbtagsausflug in die Altstadt. Den an Bord gebliebenen Passagieren bietet sich ein besonderer Anblick. Vorausgesetzt sie haben auf die Trave herausgeschaut. An ihnen zieht nämlich stolz unsere „Lisa von Lübeck“ vorbei.

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Eine Spendenaktion für die vom Hochwasser betroffenen Menschen im Landkreis Ahrweiler hat der Passat Chor initiiert. Nachdem nach längerer Zeit wieder gesungen werden darf, führt der Chor ein Benefizkonzert zugunsten der Betroffenen durch.

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24.–30. Oktober: Die 14. Auflage des Stadtwerke Lübeck Marathon in Zahlen: Es haben sich 3437 Läuferinnen und Läufer aus 21 Nationen gemeldet. An den Rändern der Laufstrecke stehen unzählige Einwohner und Einwohnerinnen, spenden allen Teilnehmenden einen großen Applaus und feuern an. Auch musikalische Unterstützung fehlt nicht. Jan Kaschura aus Holzminden kam nach 2:31:50 ins Ziel. 2019 gewann er ebenfalls. 2020 musste der Lauf corona-bedingt ausfallen. Bei den Frauen siegte die Lübeckerin Saskia Prehn. Ihre Zeit: 3:03:33 . Beeindruckend ist ebenfalls, dass sich u. a. immer viele ehrenamtliche Helfer und Helferinnen finden, welche zum Durchführen und Gelingen der Veranstaltung mit beitragen. Auch hier eine Zahl: Es sind wieder über 650 Personen.

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Die Elchfamilie Linus, Kalli und Lumi ist wieder zu Gast. Ein eindeutiges Zeichen, das das letzte Quartal dieses Jahres angebrochen ist.

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Sabine Haltern/GVT

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