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Kaiserallee 3a

Travemünder Häuser Nr. 89

Kaiserallee 3a

Mit der Errichtung der Seebadeanstalt und der ihr verbundenen Kur-, Bade-, und Restaurationsbetrieben war Travemünde seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts weit über seine ursprünglichen Grenzen, die ihr südliches Ende an der Torstraße, ihr westliches an der heutigen Vogteistrasse und ihr nördliches am jetzigen Lotsenberg gefunden hatten, hinaus gewachsen.

Kaiserallee 3a, Abb. 1
Kaiserallee 3a, Abb. 1

Ende des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Häuser an der Kaiserallee, benannt nach Kaiser Wilhelm I. Auf dem Grundstück Kaiserallee 5 wurde die „Villa Maris“  (Abb. 1) errichtet, heute die „Villa Charlott“. Links neben der „Villa Maris“ ist noch ein weiteres Gebäude zu erkennen, das offensichtlich als Frühstücksraum und ähnliches genutzt wurde.

Kaiserallee 3a, Abb. 2
Kaiserallee 3a, Abb. 2

1907 wurde das Grundstück geteilt, wobei die Fläche links mit 503 qm neben der „Villa Maris“ zur Kaiserallee 3a wurde.

Hierauf wurde 1908 ein Haus gebaut, das auch heute – wenn natürlich auch mit Umbauten versehen – noch existiert.

Über den seinerzeitigen Bauherrn und die ersten Eigentümer habe ich leider bislang nichts in Erfahrung bringen können. Da werden Sie sich fragen, warum sich dann das Baujahr so genau datieren lässt. Ganz einfach: die seinerzeitigen Handwerker hatten, ob mit Absicht oder versehentlich, Zeitungen im Bau gelassen, die bei Umbauarbeiten entdeckt wurden.

Ursprünglich diente das Gebäude ganz sicher Wohnzwecken, wie ein altes Foto beweist.

Nach dem 2.Weltkrieg wurde es auch zu Gewerbezwecken genutzt: zunächst befand sich dort eine Gaststätte namens „Baltic Stuben“, dann wurde daraus 1969 „Knoop’s Bierstube. „Kurti“ Knoop war ein bekannter Travemünder Gastronom und Politiker. Hier wurde das Haus auch nach hinten mit einem Anbau versehen, der den Küchentrakt beherbergte.

Kaiserallee 3a, Hanseaten Club, Abb. 3
Kaiserallee 3a, Hanseaten Club, Abb. 3

1971 kaufte Hans Helmcke das Gebäude und betrieb dort den „Hanseatenclub“, ein Betrieb tagsüber mit deutscher Küche und abends mit erotischem Nachtisch. Helmcke war ein Berliner Bordellbesitzer, der in mehreren Orten seine Etablissements führte. Berühmt-berüchtigt war die „Pension Clausewitz“ in Berlin. Diese hatte er bis 1965 geführt, bis sie als „Spionagebordell“ aufflog: Helmcke soll für den Staatssicherheitsdienst gearbeitet haben. Eines der Zimmer soll abgehört worden sein. Hierfür wurde er zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt, die auf Bewährung ausgesetzt wurden.

Seine Geschäftstätigkeiten in Travemünde bescherten ihm aber nicht nur Freunde. So waren die Zuhälter aus der Clemenstrasse sauer über diese Konkurrenz, er legte sich auch mit Hamburger Zuhältern an und der Abendbetrieb lief auch nicht so, wie von ihm geplant. Damit trug er sich mit Verkaufsabsichten.

Im Juli 1973 erwarb der Travemünder Apotheker Rolf Hiller das Gebäude, um dort seine „Kur-Apotheke“ zu betreiben, wozu naturgemäß etliche Umbauten erforderlich wurden. Zuvor hatte sich seine Apotheke zwei Häuser weiter im Haus Kolberg befunden.

Dann der Schock: im August 1973 wurde Hans Helmcke in Hamburg ermordet aufgefunden. Seine halb verkohlte Leiche wurde am 18. August 1973 an der Autobahn Hamburg-Lübeck entdeckt. Der Fall wurde recht schnell aufgeklärt: gerieten zunächst seine Verlobte bzw. Hamburger oder Berliner Zuhälter unter Verdacht, zeigte es sich, dass es sich um erpresserische Täter handelte, die Hans Helmcke in einer Hamburger Wohnung töteten und dann die Leiche beiseite schafften.

So, genug der Schauergeschichten: im Frühjahr 1974 konnte Rolf Hiller seine „Kurapotheke“ in den neuen Geschäftsräumen der Kaiserallee 3a eröffnen. Seit mehr als einem Jahrzehnt führt seine Tochter Stefanie die Apotheke erfolgreich weiter.

Rolf Fechner

P.S.: Zunächst danke ich Herrn Rolf Hiller für die Informationen und überlassenen Unterlagen.
Was die ersten Jahrzehnte des Gebäudes angeht, ist dieser Bericht aber leider sehr fragmentarisch. Wer hierzu noch weitere Kenntnisse hat, möge sie mir bitte mitteilen. Ich werde diese dann als Ergänzung in die nächste UT aufnehmen.

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