Startseite » Travemünde Geschichte Geschichte des Fehlingsteins in Travemünde Teil 2

Fehlingstein Teil 2/1
Aushebung des für das Fehling-Denkmal zu Travemünde ausersehenen Findlings auf der Pötenitzer Feldmark

Geschichte des Fehlingsteins in Travemünde
Teil 2

Bald nach dem Tode des Travemünde-Gönners Fehling hatte sich nach seinem Ableben in Travemünde ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals für den Verewigten gebildet.

Das Komitee bestand aus dreizehn Travemünder Herren, zu dem sich später noch sieben zusätzliche Lübecker Herren gesellten. Beschlossen wurde in einer der letzten Zusammenkünfte dieses Komitees, dem Entschlafenen einen Gedenkstein mit dessen Bronzerelief nebst passender Inschrift zu setzen. Nach eingehender Besichtigung zweier unentgeltlich zur Verfügung angebotener Findlinge aus der näheren Umgebung, hatte sich das Komitee entschlossen, den auf dem Parkgelände des Gutsbesitzers von Brocken-Pötenitz liegenden zu diesem Zwecke zu verwenden.

Nachdem der Hohe Senat von Lübeck die vom Komitee eingeholte Erlaubnis für die Aufrichtung des Steines auf einem kleinen Hügel an der südlichen Strandpromenade, wo früher der Windmesser stand, erteilt hatte, wurde am Montag, dem 09. März 1908, in der Frühe mit dem Transport des über 220 Zentner schweren Findlings durch die Lübecker Fuhrunternehmen Longuet und Parbs begonnen. Zunächst galt es den steinernen Riesen auf seinem Liegeplatz selbst zu heben (s. Abb.1).

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Der Transport des Gedenksteins über den Priwall

Auf den hierfür extra angefertigten Wagen mit überdimensionalen Rädern und Verstärkungsbalken gehoben, nahm die Fortbewegung des Findlings von seinem Liegeplatze bis an seinen Bestimmungsort volle drei Tage in Anspruch. Infolge des weichen Erdreichs im Parkgelände des Herrn von Brocken-Pötenitz und auf dem sandigen Wege vom ehemaligen Ziegelkrug bis zum Wachtgraben ging der Transport nur langsam voran.
Nur durch die auf Räderabstand immer wieder vorgelegten Eisenplatten gelang es überhaupt, den schwer beladenen, massiven Spezialtransport mittels eines Vorspannes von 12 bis 16 schweren Schleswiger Ackergäulen ruckweise ein bis zwei Wagenlängen vorwärts zu ziehen (s. Abb. 2) Sobald die Räder über die darunterliegenden Eisenplatten hinauskamen, sanken sie tief ein; es musste das schwere Gefährt erst einmal mit Winden wieder jedes Mal erneut angehoben und erneut Eisenplatten darunter platziert werden.

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Der Gedenkstein in der Winde des Schwimmkrans

Am Mittwoch gegen 11 Uhr vormittags war dann der Schwertransport glücklich an der Südermole auf der Priwallseite angekommen. Hier wurde der Steinkoloss, wie die Abb. 3 zeigt, von dem bereitliegenden, in dankenswerter Weise von der Koch’schen Schiffswerft in Lübeck zur Verfügung gestellten großen Schwimmkran aufgenommen. Nahe dem Norderbollwerk, auf der Landseite neben der heutigen Lotsenstation, wurde der Steinkoloss vom Schwimmkran auf den dort stehenden Slipwagen niedergelassen, der dankenswerterweise von der Travemünder Schiffswerft Schlichting zur Verfügung gestellt worden war.

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Fehlingstein in Travemünde, enthüllt am 02. Juli 1908

Mittels der vor dem Slipwagen ausgelegten Laufschienenpaare wurde das Transportgefährt mit seiner tonnenschweren Last auf einer dafür extra aufgeschütteten Rampe auf den Hügel gezogen, wo nun der ziemlich raue Stein mit seiner größten Fläche der Seeseite zugekehrt, hoch aufgerichtet wurde. (s. Abb. 4)

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Bronze-Relief des Fehlingsteins in Travemünde. Bildhauer: Hermann Joachim Pagels (1876 – 1959)

Der Stein wird mit einem Bronzerelief Fehlings und einer passenden Aufschrift dazu versehen werden.
Lübecker Bildhauer wurden zur Herstellung eines solchen aufgefordert.
Der raue Findling, der sich aus verschiedenen Schichten zusammensetzt, weist eine höchst interessante geologische Zusammensetzung auf.

Die Aufnahmen zu den Abbildungen wurden von mehreren Amateuren zur Verfügung gestellt. So zu lesen in den „ Vaterstädtischen Blättern“ vom 05. April 1908.

Die Einweihung des Fehlingsteins

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Enthüllung des Fehling-Denksteines. Pastor Gädeke hält die Weihrede,

Am 02. Juli 1908 wurde der Fehlingstein schließlich mit einer bewegenden vaterländischen Rede vom Travemünder Pastor Gädeke vor einer festlich gekleideten großen Feiergemeinde eröffnet.

Hier Auszüge aus seiner Rede, die in der Ausgabe der „Vaterstädtischen Blätter“ vom 05. Juli 1908 abgedruckt wurde:
„In urwüchsiger echt germanischer Kraft erhebt sich dort, wo der Trave Fluten unserer Schiffe stolzen Bug hinaustragen auf des Meeres schimmernde, schäumende Woge, ein einfacher Stein als Gedenkstein für Hermann Fehling. Einfach ist der Gedanke, der uns das Werk schuf, meisterhaft ist er durchgeführt und vollendet.
Nichts Großes hat es sein sollen, und doch wird gerade mit dieser Einfachheit das erreicht, was erreicht werden soll. Der Stein redet zu uns, er erweckt in uns die Erinnerung an eine große kräftige Zeit, er gibt uns einen Maßstab, an dem wir unsere eigene Kleinheit messen können, aber an dem wir uns auch aufbauen können und aufbauen sollen zu eigenem kraftvollen, ernsten Arbeiten und Streben. Dank sei dem Lübecker Künstler Herrn Joachim Hermann Pagels, der uns dieses Denkmal geschaffen hat, es selbst ehrt den Meister und sein Werk lobt ihn selber.
Wohltuend und erlösend wirkt er: der Fehlingstein. Wir finden hier zu Füßen des Fehlingsteins einen Ruhepunkt, wo wir uns ausruhen können, wo wir im stillen Gedenken uns den Spiegel des Ewigen vor unsere Seele halten, und wo wir neuen Mut fassen können, uns wie der Verstorbene zum gemeinen Wohle unser Schaffen und Wirken bis zum letzten Atemzuge einzusetzen und darin nicht müde zu werden.
Freundschaft und Liebe für den Verstorbenen hat ihm diesen Gedenkstein, hier an des Meeres Gestade gesetzt, und damit ehren wir uns selbst. Weit schaut der Verstorbene als Relief auf das Meer hinaus, weit öffnet er uns den Blick nicht in die Ferne, sondern in uns selbst, denn die größte Ferne wie die größte Tiefe liegt doch im Menschen selbst, und die Vergangenheit des treuen Verstorbenen ist ein Spiegel, in dem wir uns selbst schauen. In stillem Gedenken verharren wir hier, um dem Freund und Gönner Travemündes, Herrn Hermann Fehling, zu gedenken.“

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Fehlingstein vor dem Aqua-Top

Im Zuge der Errichtung des Maritim-Hotels (1971 – 1974) mit angeschlossenem Strandbad-Zentrum (später umbenannt in „Aqua-Top“), fand das Ehrenmal seinen vorläufigen Platz direkt vor der Ladenzeile und dem Restaurant „Up’n Knust“ zur Seeseite hin an der Strandpromenade. Nach dem Abriss des „Aqua Top“ 2011 und mit dem Baubeginn für das neue A-JA Hotel auf der „Aqua-Top-Wiese“ im Jahr 2016 wurde Senator Fehlings Ehrenstein für 4 Jahre „eingemottet“ und fand am 31.08.2020 seinen wohl endgültigen Standort an der Einmündung der Zuwegung von der Außenallee zur Musikmuschel am Brügmanngarten.

Fehlingstein Teil 2/8
Fehlingstein am Brügmanngarten

Wolf-Rüdiger Ohlhoff

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