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Das Seebadmuseum wird 15

Das Seebadmuseum Travemünde wird 15

Fast 15 Jahre gibt es jetzt das Seebadmuseum, kurz „SBM“, des Heimatvereins Travemünde. Es war Siegfried Austel, der am 03.10.2003, dem Tag der deutschen Einheit, zusammen mit 8 engagierten Travemünder Bürgerinnen und Bürgern den Heimatverein Travemünde e. V. gründete. Dies mit dem Ziel, Historisches zu Travemünde zu sammeln und zu bewahren und dafür ein Seebadmuseum zu gründen, damit es für spätere Generationen nicht verloren geht.

Mit einer ersten Spendenaktion zu seinem Geschäftsjubiläum, Austel betrieb jahrzehntelang einen Friseurbetrieb im Ort, wurde der erste Stein für die finanzielle Basis gelegt. Es folgte eine intensive Sammlung von Exponaten, Befragung von Zeitzeugen und zusammen mit dem bekannten Museumsarchitekt Uwe Franzen und 2 Hamburger Museumspädagoginnen die Entwicklung eines Museumskonzepts, das keine staubigen Vitrinen sondern die Geschichte des einst mondänen Seebades hautnah erlebbar macht. Nach dem Erhalt weiterer großzügiger Spenden, unter anderem von Lisa Dräger, Fritz Bracht, Horst Lippke und weiteren Vereinsmitgliedern, von der Possehl-, Szameit- und Sparkassenstiftung, konnte ein langjähriger Mietvertrag über die Erdgeschossräume des Gesellschaftshauses in der Torstraße 1, gegenüber der St.-Lorenz-Kirche, mit dem Gemeinnützigen Verein zu Travemünde als Vermieter geschlossen werden, mit dem der Heimatverein unverändert bis heute freundschaftlich verbunden ist. In diesen Räumen mit ca. 180 m² Gesamtgröße konnte das SBM am 02. Juni 2007 um 13:00 Uhr feierlich eröffnet werden.

Hörstation Seebadmuseum Travemünde

Sehen, Hören, Anfassen bestimmen das Konzept der multimedialen Zeitreise von 1802 bis heute. Es gibt zu jedem Themenbereich im SBM, das bis heute ohne öffentliche Gelder auskommt und sich allein aus Beiträgen der gut 300 Mitglieder des Trägervereins, aus Spenden und Eintrittsgeldern finanziert, viel zu sehen und zu hören. So berichten Filme mit Originalaufnahmen aus den jeweiligen Epochen dem Zeitreisenden in Wort und Bild zum Beispiel von den Bewohnern Travemündes, dem Badewesen, der Schifffahrt, dem Flughafen auf dem Priwall, der Eisenbahn, den Werften, dem Glückspiel, der Flucht im 2. Weltkrieg und dem gesellschaftlichen Leben einschließlich der ortsansässigen Vereine. Prachtstücke sind ein Original-Roulettekessel aus der napoleonischen Besatzungszeit Travemündes von etwa 1811 (Dauerleihgabe des St.-Annen-Museums) und ein Besucherverzeichnis von 1834, beide unter Glas. Das Verzeichnis stammt aus den Glanzzeiten Travemündes, als sich die Prominenz hier Sommer für Sommer einfand. „Da war ‘Bürgermeister’ noch der niedrigste Dienstgrad unter den Besuchern“, erzählt der Museumsgründer und -leiter bis heute, da kam u. a. die russische Literatenprominenz mit Dostojewski und Turgenjew mit der Dampfschifffahrtslinie St.-Petersburg – Travemünde in den Ort.

Die liebevolle gestaltete und detailreiche Ausstellung ist laufend durch wertvolle Exponate ergänzt worden, auch aber nicht nur durch Travemünder Bürger. So konnte z. B. im letzten Jahr ein Modell der Galeone „Adler von Lübeck“, Flaggschiff der Lübecker Hanse im Nordischen Krieg im 16. Jahrhundert, von einem Kölner Spender beschafft werden, ebenso ein Gemälde des bekannten Lübecker Malers Hans-Werner Matern über eine Spenderin aus Hamburg (Ansicht Alter Leuchtturm vom Kohlenhof aus), eine gemalte Travemünder Ansicht von Gertrud Siemers, seinerzeitige Leiterin der Lübecker Malerschule, eine gemalte Hafenansicht  des Berliner Impressionisten Ulrich Hübner über die Fielmann-Stiftung.

Jährlich wechselnde Sonderausstellungen, meist im Vorraum des SBM, befassten sich u. a. mit dem Travemünder Bildhauer Erich Prüßing, mit der Geschichte des größten industriellen Arbeitgebers HATRA, hierzu ist als Außenobjekt am Baggersand eine Original-Straßenwalze dauerhaft aufgestellt, mit Fossilien, Mineralien, Artefakten, teils vom Brodtener Steilufer, als Zeugen der Evolution sowie mit der Geschichte des Casino-Gebäudes. In 2014 wurde zum 100-jährigen Jubiläum des Flugplatzes Priwall eine große Ausstellung „Wasserfliegerei an der Ostseeküste“ im Kreuzfahrtterminal Ostpreußenkai zusammen mit Rostocker Fliegern veranstaltet. In diesem Jahr ist eine Sonderschau zum Lübeck-Travemünder Golf-Klub geplant, der in 2021 sein 100-jähriges Jubiläum feierte.

Zum weiteren Außenobjekt des SBM zählt die vor 3 Jahren nach langjährigen Bemühungen als Rekonstruktion wiedererrichtete historische PERSIL-Uhr der Firma Henkel im Dr.-Hermann-Zippel-Park. Für dieses Jahr ist die Wiedererrichtung des bei der Sturmflut 1872 ins Meer gestürzten „Seetempel“, durch die „Buddenbrooks“ von Thomas Mann in die Weltliteratur eingegangen, auf dem Steilufer als Gemeinschaftsprojekt mit der Lübecker Jugendbauhütte vorgesehen; eingebunden ist hier auch über die Lübecker Kulturstiftung das Buddenbrookhaus, da der Seetempel zum Bestandteil und Endpunkt eines in ganz Travemünde anzulegenden „Thomas-Mann-Pfades“ werden soll. Ein Modell des neuen „Seetempel“ mit Erläuterungen befindet sich im SBM. Dagegen leider aufgegeben werden musste das Projekt der Hebung des Mövensteins. Die ermittelten Plankosten von über 120.000,- € standen in keinem verantwortbaren Verhältnis zum Nutzen.

Seine Verantwortung für die Bewahrung der Travemünder Geschichte zeigte der Heimatverein auch durch maßgebliche und aufwändige Mitgestaltung der mehrmonatigen Ausstellung des Landtages des Landes SH „Badesaison! Seebäderkultur an Nord- und Ostsee“ im Kieler Landeshaus im Sommer 2020, bei der – neben 2 Föhrer Museen –  Travemünde als ältestes sh. Ostseebad von ihm repräsentiert werden konnte durch diverse Exponate aus dem SBM und Weiteres.

Dass diese Aktivitäten nicht nur bei den regelmäßig jährlich über 2000 Besuchern (von jeweils März – Dezember) sondern auch bei prominenten Museumsbesuchern, sei es Bürgermeister oder Landes-Ministerpräsident, ihre Würdigung finden, davon zeugen entsprechende Einträge im Besucherbuch des SBM.

Seebadmuseum Travemünde

Für 2022 sieht das Programm des Heimatvereins vor: die Wiedereröffnung des Museums nach der üblichen Winterschließung am Dienstag, 01. März 2022 ab 11:00 Uhr als Tag der offenen Tür mit freiem Eintritt (Spende erbeten) und Führungen um 14:00 Uhr und 16:00 Uhr. Sonntag, 15. Mai 2022, ab 11:00 Uhr, Teilnahme am Intern. Museumstag mit freiem Eintritt (Spende erbeten) und Führungen um 14:00 Uhr und 16:00 Uhr, auch als virtueller Rundgang in 3 D-360 Grad. Donnerstag, 02. Juni 2022, ab 11:00 Uhr: Feier zum 15-jährigen Bestehen des SBM mit Führungen, Flohmarkt, Programm drinnen und draußen in/vor dem Gesellschaftshaus. Zurzeit gelten jeweils die 2G-Regelungen in den Innenräumen, Mund-/Nasenschutz-Tragepflicht und Abstand. Änderungen entsprechend der Pandemielage zum Veranstaltungszeitpunkt bleiben vorbehalten.

Wer sich bei der Unterstützung des kleinen aber engagierten Teams des Heimatvereins bei seinen Aufgaben zur Bewahrung und Pflege der Historie von Travemünde, ganz im Sinne des Leitspruches „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten“, beteiligen möchte, z. B. als Vereinsmitglied oder als Verstärkung des ehrenamtlichen Teams für den Besucherempfangsdienst in 3-Stunden-Schicht, melde sich gern. Heimatverein Travemünde, Torstr. 1, 23570 Travemünde, info@heimatverein-travemuende.de, www.heimatverein-travemuende.de, jetzt auch bei facebook.

 

Jürgen Kowitz, 2. Vorsitzender

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