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25 Jahre Verein Haus der Jugend Travemünde e.V.

Im Jahre 2002 wird unser Verein fünfundzwanzig Jahre alt. Ich möchte dieses besondere Jubiläum zum Anlaß nehmen, einen kleinen persönlichen Rückblick auf die Vereinsgeschichte zu tun und auch einmal darstellen, was diesen Verein bis heute auszeichnet und aus meiner Sicht so spannend und lebendig erhält.

Beginnen wir mit der Vereinsgeschichte:

Geburt
Auch bei der „Geburt“ unseres Vereins entstand aus einem schmerzhaften Ereignis ein neues Wesen für unseren Ort und dieser Geist aus der Gründerzeit hat den Verein nie verlassen – bis heute.
Nachdem im Jahre 1977 ein Jugendlicher in einer Erdhöhle verbrannt war, die er sich als Unterschlupf gebaut hatte, war deutlich: es muß einen Treffpunkt für Kinder und Jugendliche geben, wo sie ihre Freizeit gemeinsam und kreativ gestalten können. Der Ruck, der damals durch den Ort ging, war beeindruckend: unabhängig von Alter, Beruf oder Parteizugehörigkeit taten sich die Travemünder zusammen und beschlossen die Vereinsgründung. Die ersten Versammlungen füllten das Gesellschaftshaus bis auf den letzten Platz – alle waren vertreten – Schulen, Jugendamt, Polizei, Handwerker, Eltern und natürlich schon zu dieser Zeit sehr viele Jugendliche. Die Bereitschaft, einen Mißstand aus eigener Kraft zu beseitigen und dafür vielen Worten auch Taten folgen zu lassen, hat mich schon damals als jugendliches Gründungsmitglied des Vereins beeindruckt und diese Bereitschaft zeichnet Travemünder Bürgerinnen in meinen Augen heute noch aus.

Kinderschuhe
In den ersten Jahren nach der Vereinsgründung gab es zwar den „Verein Haus der Jugend Travemünde“, aber eben noch kein Haus. Die Suche nach einem Platz für Kinder und Jugendliche gestaltete sich schwer. Vieles war im Gespräch – am weitesten gedieh der Gedanke, den Bunker am Lotsenberg zum Haus der Jugend umzugestalten, aber auch dies scheiterte, nicht zuletzt am Widerstand der Nachbarn, die zu viel Unruhe befürchteten. Diese ersten Jahre waren geprägt von Hoffnungen, Enttäuschungen und zäher Beharrlichkeit. Es gehört schon etwas dazu, Konzepte für ein Haus zu entwickeln, das bisher nur in der Phantasie besteht. Ohne das Durchhaltevermögen der Mannschaft dieser ersten Jahre gäbe es das Haus der Jugend nicht!

Teenager
Da stand nun das Haus, und die Ideen und Konzepte aus der Planungsphase wurden in der harten Alltagswirklichkeit erprobt. Zunächst waren die Erbauer und Planer des Hauses auch die Nutzer. Doch gerade in einem Haus der Jugend wechseln die „Generationen“ der Besucher sehr schnell, so daß es bald Gespräche über Öffnungsdienste, Aufräumarbeiten und alles gab, was zum Betrieb eines solchen Treffpunktes in Selbstverwaltung eben auch gehört. In den ersten Jahren waren die Vorstandsmitglieder Hausmeister, Animateure und Ordnungshüter zugleich. In diese Zeit fiel auch die Diskussion „Wer soll unser Besucher sein?“ Der damalige Vorstand entschied sich bewußt dafür, auch und gerade die Jugendlichen zu akzeptieren, die sonst keinen Platz hatten. Die Auseinandersetzung mit dieser Zielgruppe war für Ehrenamtler recht anstrengend, so daß (übrigens immer in Abstimmung mit dem Jugendamt der Hansestadt Lübeck) nach einer professionellen Betreuung Ausschau gehalten wurde. Über ABM-Stellen gab es die ersten pädagogischen „Profis“ im Haus, die nach wie vor mit starker ehrenamtlicher Unterstützung geregelte Öffnungszeiten garantierten und die Angebote im Haus erweiterten.

Twen
Ein echter Wendepunkt in der Vereinsgeschichte war die Übernahme der pädagogischen Leitung des Hauses durch Uschi Menzel. Frau Menzel veränderte die Konzeption der Arbeit – es wurden erstmals auch Kinder mit eigenen Öffnungszeiten und Angeboten angesprochen. Die Öffnungszeiten des Hauses wurden verändert – neben den Abendangeboten für die älteren gab es jetzt Kindernachmittage. Erste sportliche Aktivitäten fanden statt, die erste Fahrt nach Groß Zecher wurde unternommen. Wieder einmal wandelte sich die Besucherstruktur. Die Gruppe, die zu dieser Zeit das Haus für sich entdeckte, war sehr aktiv – der Vereinsvorstand des Jahres 2002 besteht zum Teil aus ehemaligen „Teenies“ dieser Gruppe.

Erwachsen!
Im Jahre 2002 ist „das Haus“ erwachsen geworden. An fünf Tagen in der Woche bietet es wechselndes und traditionell vielfach von den Besuchern selbst gestaltetes Programm. Die Discoveranstaltungen (auch mal extra für Kinder) sind immer noch ein Hit. Der Leiter des Hauses heißt inzwischen Marcus Runge. Auch er kam einmal als jugendlicher Besucher in das Haus und hat sein ehrenamtliches Engagement zu seinem Beruf gemacht. Seine Begeisterung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist ansteckend und mündet in immer wieder neuen Ideen und Aktivitäten.
Der Verein beteiligt sich aktiv an vielen Travemünder Initiativen, die Zusammenarbeit mit allen Vereinen ist außerordentlich gut. Er ist außerdem Träger der Betreuten Grundschule an der Stadtschule Travemünde. Neben den Aktivitäten im Haus der Jugend möchte der Verein auch Sprachrohr sein für die Interessen der Kinder und Jugendlichen hier am Ort. Im März dieses Jahres haben Travemünder Kinder und Jugendliche Ideen für ihr Travemünde 2010 entwickelt. Diese Ideen werden sie im Laufe des Jahres verschiedentlich vorstellen.
Beim Schreiben dieses Berichtes sind mir sehr viele Episoden aus den vielen ereignisreichen Jahren der Vereinsgeschichte eingefallen. Die für mich persönlich wichtigsten Besonderheiten gerade dieses Vereins sind:

Kreativität
Der Verein Haus der Jugend ist im Wortsinne „forever young“. Die sich stetig erneuernden Besuchergruppen bringen ständig lebendige Auseinandersetzung mit fast allen Themen, die Kinder und Jugendliche bewegen. Hier ein Stück des Lebensweges begleiten zu können ist und bleibt spannend.

Ehrlichkeit
Wenn Konflikte auftreten, werden sie sofort bearbeitet. Versteckspielen gilt nicht! Unterschiedliche Meinungen und Interessen werden besprochen und Lösungen erarbeitet.

Mut
Sich selbst ausprobieren können – in der Gruppe, im Übernehmen von Verantwortung, wirklich etwas mitgestalten können, mit seinen Aufgaben wachsen.

Fröhlichkeit
Viel Spaß haben in der Gruppe, die phantasievollen Faschings- und Halloween-Discos, die immer toller gestalteten Stände auf dem St.-Lorenz-Markt, diese besonderen Ereignisse bleiben im Gedächtnis.

Beständigkeit
Viele ehemalige Besucher übernehmen verantwortungsvolle Aufgaben im Verein. Sie bilden sich fort, nehmen Urlaub, um an Ferienmaßnahmen des Vereins als Betreuer mitzuwirken und sind wirklich da/wenn sie gebraucht werden.
Ein Verein besteht nicht 25 Jahre ohne die Unterstützung von sehr vielen Seiten. Ich möchte mich an dieser Stelle vor allem bei den vielen Spendern bedanken, ohne deren großzügige Unterstützung sehr vieles nicht möglich gewesen wäre. Stellvertretend sei hier der Gemeinnützige Verein Travemünde genannt, der oft zunächst eingesprungen ist, wenn es galt, neue Projekte in Gang zu bringen.
Vielleicht sind Sie Mitglied im Verein Haus der Jugend, obwohl weder Sie noch Ihre Kinder Jugendliche sind – meine Bitte: bleiben Sie es, die Sache ist es wert! Sie signalisieren mit Ihrer Mitgliedschaft, daß Ihnen die Travemünder Kinder und Jugendlichen wichtig sind – werden Sie Lobbyist. Auf unseren Mitgliederversammlungen können Sie einen Eindruck von unserer Arbeit gewinnen. Vielleicht sind Sie kein Mitglied im Verein Haus der Jugend und sind neugierig – schauen Sie sich das Haus ruhig einmal an, wir freuen uns darüber.

In jedem Fall sind Sie schon heute herzlich eingeladen zu unserem Jubiläumsfest am 17. August 2002 nachmittags Auf dem Baggersand 28a.

Christine Jaacks-Mirow
1. Vorsitzende

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