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PASSAT sailing

„Dialog im PASSAT Wind“

Die Umsetzung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise nach Agenda 21 beginnt in den Köpfen und Herzen der Menschen.

Bei weitgehender Befriedigung der Grundbedürfnisse wird heute neben dem materiellen Wert unserer Wirtschaftsaktivitäten den nichtmateriellen, „ethisch-ideellen“ Werten steigende Bedeutung beigemessen.

Statt homogen zusammengesetzte Zielgruppen mit dem Angebot eines Konsumgutes zu befriedigen, wird zunehmend die Identifikation mit sinngebenden Zielausrichtungen von Unternehmen, Produktlinien und tourismusrelevanten Standorten ein relevanter Faktor. Glaubwürdigkeit und Sympathie sind die zukünftigen Grundlagen für die Kundenbindung und Mobilisierung der emotionalen wie geistigen Potentiale vor Ort.

Durch den Einsatz der Viermastbark PASSAT, eines traditionellen Frachtseglers vom Anfang unseres Jahrhunderts, ist eine solche Integrationsfigur gegeben.

Schon allein das Segeln, die elementare Naturerfahrung, die Tradition der Seefahrt und die Romantik eines Großseglers spricht die gefühlsmäßige wie intellektuelle Seite des Menschen gleichermaßen an. Und das Konzept PASSAT Sailing geht noch einen Schritt weiter, es basiert auf der Gestaltung eines konstruktiven Dialogs unterschiedlicher Akteure zu drängenden Zukunftsaufgaben: unter einem eher romantisch geprägten Verhältnis der Menschen zu einem Windjammer wird ein gesellschaftlich wie intellektuell anspruchsvolles Dialog- und Aktionsprogramm zum Umgang mit der Umwelt und den Mitmenschen realisiert. Die besondere Zuneigung unterschiedlichster Akteure aus allen relevanten gesellschaftlichen Bereichen und Schichten zu diesem bekannten Segelschiff bietet eine außergewöhnliche Grundlage für einen konstruktiven Dialog zu anstehenden Themen: Ozean, Klima und Welthandel soll dabei im Mittelpunkt stehen.

Die Passat wird zu einem internationalen Synonym für die konstruktive, dialogorientierte Auseinandersetzung von – auch konkurrierenden – Akteuren zur Lösung von Zukunftsproblemen in Anlehnung an die AGENDA 21.

Baustein 1.  Wir sitzen alle in einem Boot – Dialog im PASSATwind.
Die Passat ist kein Luxusliner, sondern ein Arbeitschiff. Die besondere Situation des Segelns erfordert die Zusammenarbeit aller Mitsegler auf dem begrenzten Raum eines Segelschiffes, das durch die umgebenden Elemente hindurch fortbewegt werden will.

Die 50 Mannschaftsmitglieder der PASSAT stellen dabei die Mindestcrew für die Beherrschung des Schiffes sicher. Nun besteht das Angebot für ca. 50 zusätzliche Mitsegler, auf der PASSAT „anzumustern“ und mit eigenem Einsatz die Kernmannschaft so weit zu unterstützen, wie dies individuell eben möglich ist¹. Die Teamerfahrung der Teilnehmer zur Fortbewegung „ihres“ Schiffes wird zur Grundlage für die fruchtbare, intellektuelle Zusammenarbeit an der Lösung von Zukunftsaufgaben. Jede Reise der PASSAT wird deshalb unter eine bestimmte Fragestellung, die sich z.B. im Rahmen der AGENDA 21 ergibt, gestellt (Klimaschutz, Zukunft der Ozeane, tragfähiger Welthandel u.ä.).²

Die einzelnen Reisesequenzen werden mit ganz konkreten Problemen aus diesem Themenrahmen belegt (z.B. Offshore Windparks vor der Nordseeküste, Schutz des Wattenmeeres, Fischerei-Abkommen, Energieversorgung- und erzeugung, Handelsbeziehungen zwischen West- und Osteuropa etc.). Dabei sollen Akteure unterschiedlicher Ansichten identifiziert und einige („reisewillige“) Vertreter dieser Akteure für eine gemeinsame Projektreise mit der PASSAT gewonnen werden.

Durch persönlichen Kontakt und die gemeinsame Arbeit am physischen Weiterkommen des Schiffes in den Elementen wird das Verständnis für die Sicht des anderen geweckt, ohne freilich die Interessengegensätze zu verwischen. Jedoch: im abgeschlossenen Raum des Schiffes werden unter effektiver Moderation, aber ohne die unmittelbare (Medien-) Öffentlichkeit, widerstreitende Interessen in der Auseinandersetzung versachlicht. Der wesentliche Effekt ist eine neue Dialog-Qualität der Parteien.

Die Inszenierung im Abfahrtshafen, in den Anlaufhäfen und die Ankunft am Ziel bietet das notwendige PR- Potential für die breite Vermittlung der Ergebnisse. Korrespondierende Tagungen und Kongresse einer neuen Qualität unterstützen die Aktion. Die PASSAT profiliert und etabliert sich schließlich als schwimmende „Dialogfabrik“ im internationalen Maßstab. Wer auf der PASSAT segelt, bezeugt ernsthaftes Interesse am notwendigen Dialog mit Andersdenkenden zum Thema Zukunft.

¹ Trotzdem bietet die so sichergestellte, reichliche Mannschaftsausstattung die Möglichkeit, daß jeder Mitsegler eine Arbeit weitgehend gemäß seiner Fähigkeiten und Neigungen bevorzugen kann. Alter und körperliche Verfassung sind dabei keine Hindernisse für die konkrete Mitarbeit auf dem Schiff.
² Die ersten Überlegungen gehen davon aus, in jedem Jahr einen geographischen Schwerpunkt zu bereisen, zu bearbeiten, z. B. Atlantik, indischer Ozean, pazifischer Ozean.

Baustein 2.  Die Globalität ist unsere Chance, – Fracht für die Zukunft unserer Welt
Die PASSAT ist ein Frachtsegler mit einer ursprünglichen Kapazität von 4.000t ³. Eine Beförderung besonderer Frachten gibt jedem Segeltörn einen ganz konkreten Auftrag. Auf der PASSAT wird nicht nur geredet, Segelsport betrieben oder rustikale Freizeit verbracht; die PASSAT transportiert ganz reale Güter. Für jede Reise ist dadurch ein sinnlich erfaßbarer Nutzen darstellbar.

Ist die Globalisierung des Welthandels vielfach zu einem Angstfaktor für die Menschen geworden, so belebt die PASSAT den Gedanken des Welthandels zu beiderseitigem Vorteil und Sicherung des Weltfriedens durch Völkerverständigung mit neuen Ideen und ganz konkreten Leistungen.

Im Mittelpunkt steht dabei der Austausch der – unterschiedlich entwickelten – Länder zur beiderseitigen Bedarfs- und Zukunftssicherung. Güter wie z.B. in Qualifizierungsmaßnahmen produzierte oder aufgearbeitete Medizinische Geräte, Nähmaschinen oder Fahrzeuge leisten bei uns und in Empfängerländern „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Millieugeprägte Jugendliche bei uns z.B. erfahren eine neue Form der Arbeitsmotivation, des Qualitätsbewußtseins und der Anerkennung, wenn sie mit der Perspektive arbeiten, ihre Produkte anschließend persönlich in Übersee an die Empfänger abzuliefern.

Produkte, die in anderen Regionen unter bestimmten sozialen, ökologischen und ökonomischen Bedingungen produziert werden (z.B. Transfair-Kaffee, ökologisch angebaute Erzeugnisse), erhalten eine besondere PR-Wirkung und gefühlmäßige Aufwertung bei den Käufern durch den zertifizierten Transport mit der PASSAT. (ggfs. Mitunterzeichnung durch prominente Mitsegler).

Dadurch wird die (Käufer-) Zielgruppe erheblich erweitert und stabilisiert. Untenehmen, die ihre Produkte oder Rohstoffe (teilweise) mit diesem Schiff transportieren, erschließen sich – auch durch das Rahmenprogramm (PASSAT-Dialog) – eine zielgruppenstarke Image- und PR-Wirkung. Auch der Austausch von Waren zwischen Industrieländern (eine Ladung Lübecker Marzipan per P-Liner nach New York, wo das Schwesterschiff der PASSAT, die PEKING, als Restaurant betrieben wird) eröffnet neue Marktchancen.

(Persönliches) Interesse an der Seefahrt und Enthusiasmus für das Segeln durchzieht alle Wirtschaftbereiche und Entscheidungsebenen. Ausstellungen, Produktmessen und Fachveranstaltungen in den Zielhäfen erschließen ein besonderes Potential an Kontakt- und Kooperationsmöglichkeiten.

³ Aus sicherheitsrelevanten, handelsrechtlichen und technischen Gründen (ein Laderaum ist z. B zu einem Konferenzraum umgebaut, ein weiterer Teil wird im Rahmen dieses Konzepts zu einem Hotel und Kongressteil umgebaut) liegt die heutige, tatsächliche Ladekapazität erheblich niedriger.

Baustein 3.  Die Erwartung der nächsten Reise, die Liegezeit in Lübeck-Travemünde
Während das Schiff im Sommer in Lübeck-Travemünde liegt, ist es Mittelpunkt für ein Rahmenprogramm um das jeweils ausgewählte Schwerpunkt-Thema.

Das Schiff ist immer im Zustand der Erwartung und Vorbereitung eines neuen Törns, der ein neues Problemthema in Angriff nimmt. Ein Problem, das sowohl im theoretischen Dialog, in künstlerischer Ausgestaltung als auch bei der Praktischen Bereitstellung von Gütern konstruktiv bearbeitet wird.

Die Themenvorschläge werden im Vorfeld – im Rahmen eines PR-wirksamen Wettbewerbes – einer prominent besetzten Jury eingereicht, deren Auswahl wird der PASSAT Betriebs-Gesellschaft4 zur Organisation und Sicherung der Finanzierung übergeben.

Abhängig von der Qualität der Image-Wirkung werden sich unterschiedliche Firmen und Verbände bewerben, um die nächste Themenreise der PASSAT mit Personen und Fracht zu belegen. Besonders kulturellen Programmen ist durch die thematische Fokussierung breiter Raum und neuer Anlaß gegeben. Für öffentlichkeitswirksame Lesungen, Konzerte, Theater, Illuminationen, Aktionskunst steht das Schiff an der Liegestelle bereit.

Die PASSAT wird Anziehungspunkt für Ausstellungen und Veranstaltungen mit bundesweiter Ausstrahlung zum Thema Ozean, Klima, Wind, Seefahrt und Ostsee.

Bundesweite (oder internationale) Beteiligung breiter Interessentenkreise für die Vorbereitung der nächsten Reise mit dem Windjammer erweckt ein Kreativitätspotential und eine Identifikation, welches die Verwendung der Ergebnisse für TV und Presse attraktiv macht. (Wettbewerbe, Kongresse, Gütersammlungen etc.)

Die PASSAT wird weiter und weiter etabliert und genießt schließlich besonderes Vertrauen für die Erarbeitung von Zukunftslösungen mit dem zeitgemäßen Anspruch, dass Gefühl und Intellekt gleichermaßen gefordert wie bedient werden.

Die PASSAT wirkt somit verläßlich, aber nicht langweilig, denn die konkreten Themen und Ausformungen ändern sich von Fahrt zu Fahrt und garantieren Aktualität, steigende Spannung bei jeder Reise über viele Jahre des Projekts.

Die zu gründende Gesellschaft zeichnet für die Organisation und Finanzierung des Gesamtprojekts langfristig verantwortlich. Es ist angestrebt, neben der Eignerin des Schiffes (Hansestadt Lübeck) und der Fördergemeinschaft PASSAT Sailing einen starken Partner aus dem Bereich der Wirtschaft oder eines internationalen Verbandes in der Gesellschaft zu haben, der Schiff und Idee grundsätzlich für seine Imagearbeit nutzt und einzelne Beteiligungsmodule für weitere Beteiligte anbietet.

Baustein 4.  Die Zeit bis zum ersten Auslaufen unter Segeln nach 40 Jahren im Hafen wird genutzt
Geplant ist, daß das Schiff im Herbst 20025 zur ersten Projektfahrt Lübeck-Travemünde verläßt. Ziel ist die Teilnahme am Cutty Sark Tall Ships’ Race 2003, bei dem Lübeck-Travemünde bereits im Jahre 2000 als Zielhafen festgelegt wurde.

In der Zeit bis dahin wird das Schiff seefähig gemacht und teilweise im Innern umgebaut. Dabei befindet sich das Schiff zeitweise in der Werft, aber auch am Liegeplatz im PASSAT-Hafen in Lübeck-Travemünde.

Die Menschen stehen in diesen Jahren im Anbruch eines neuen Jahrtausends. Hinsichtlich der PASSAT ist die Zeit geprägt von der Erwartung der ersten Reise der PASSAT in das neue Jahrtausend hinein.

Zentraler Gedanke: „Was werden wir dem Schiff an Zukunftsträumen mitgeben?“

Lübeck- Travemünde wird zu einem Ort, an welchem sich die Visionen und Hoffnungen der Menschen mit dem Blick auf das bereitliegende Schiff bündeln.

Die Erwartung wird aktiv inszeniert und gezielt zu einem wachsenden Spannungsbogen aufgebaut.

Einige – beispielhafte – Instrumente zur Inszenierung der Erwartung:
– Wettbewerb der Zukunftsträume, am Jahrtausendanfang werden im Laderaum von den Besuchern des Schiffes in Lübeck-Travemünde „Zukunftswünsche“6 gestapelt,
– Künstlerische Umsetzungen des Themas „Erwartung und Hoffnung“ mit Konzentration auf das Schiff.
– vielleicht: maritime Themen im Schleswig-Holstein-Musikfestival?

Das neue Jahrtausend beginnt so mit einer Vision, mit Träumen, mit der Erfahrung einer vergangenen Epoche, mit konkretem Handeln zur Versöhnung der Menschen mit den Elementen und mit der Bewegung aufeinander zu.

5 Eine Reise im Rahmen der Weltausstellung im Jahre 2000 ist technisch grundsätzlich erreichbar, setzt aber eine außergewöhnlich kurzfristige Sicherung der Finanzierung, d.h. noch im Jahre 1998,voraus.
6 Die „Zukunftswünsche“ werden national und international organisiert. Z.B. können persönliche Erinnerungstücke, schriftliche Ausführungen, Briefe, Skulpturen, „Basteleien“, persönliche Geschenke, Fotos etc. gegen Spende an Bord der PASSAT genommen werden. Je nach Wunsch (und Eignung} werden diese Gegenstände im neuen Jahrtausend in den Zielländern verschenkt, auf weitere Reise gesandt oder auch unterwegs dem Meer übergeben (nach Eignung).

PASSAT sailing
Idee und Entwurf: Dipl.-Ing. Klaus Meyer
Vorstandsmitglied
Fördergemeinschaft PASSAT sailing e.V.
Schillerstraße 2b – 32052 Herford
Mobil-Tel.: 0171 / 505 4419
FAX/Tel. 05221 / 50449
www.passat-sailing.de

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