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Hermann Fehling

Geschichte des Fehlingsteins in Travemünde
Teil 1

„Eine schmerzhafte Kunde durcheilte am Morgen des 07. Dezembers 1907 unsere Stadt: Hermann Fehling, der hochverdiente Präses der Handelskammer zu Lübeck, war den Folgen einer schweren Darmoperation, der er sich einige Tage vorher unterziehen musste, erlegen. Die Trauer um den Heimgang des in Lübeck so allverehrten Mannes ist allgemein; sie ist getragen von dem Bewusstsein, dass sein Hinscheiden einen schweren Verlust für unser Lübeck bedeutet.

Hermann Fehling Trauerzug LübeckDie Beisetzung des Entschlafenen fand am Mittwoch, dem 11. Dezember, vormittags um 11 Uhr nach einem voraufgegangenen Trauergottesdienst in der Jakobikirche auf dem Allgemeinen Lübecker Gottesacker statt. Der Trauerzug legte von dem großen Verlust den Lübeck erlitten hatte, Zeugnis ab. Unsere beiden photographischen Aufnahmen zeigen im unteren großen Bilde den Leichenwagen, dem die Orden des Entschlafenen vorangetragen werden.

Hinter dem Wagen folgen die Mitglieder der Handelskammer mit ihren Sekretären, und diesem folgt das Offizierskorps des hiesigen Regiments. Im oberen kleineren Bilde sieht man Beamte der Straßenbahn und Mitglieder der Träger-Corporation, Kränze tragend.“ So konnte man es am 15. Dezember 1907 in den „Vaterstädtischen Blättern“, der illustrierten Beilage des „Lübecker Anzeigers“, lesen.

Hermann Wilhelm Fehling wurde als Sohn des Lübecker Kaufmanns Johannes Christoph Fehling und seiner Ehefrau Anna Emilia, geb. Oppenheimer, am 23. April 1842 in Lübeck geboren. Neben seiner Schwester Adele, die den späteren Lübecker Bürgermeister Heinrich Theodor Behn heiratete (sie wohnten im Behnhaus in der Königstraße), hatte er zwei Brüder: das waren der spätere Senator Johannes Fehling, sowie der spätere Lübecker Bürgermeister Emil Ferdinand Fehling. Ostern 1858 verließ Hermann Fehling mit dem Abschlusszeugnis der Selecta die Realschule des Katharineums, um als Lehrling bei der Lübecker Firma Ludwig Bruhns & Sohn den Beruf des Kaufmanns zu erlernen.

Lübecker Senat vor Beginn einer Sitzung

Schon vier Jahre später beteiligte er sich an der Gründung eines eigenen Handelshauses, der Spedition und Kolonialgroßwarenhandlung Piehl & Fehling. Dies war für die lübsche Börse ein Ereignis, da der erst Zwanzigjährige dazu eigens für mündig erklärt werden musste, zudem war er – anders als seinerzeit üblich – vorher niemals im Ausland gewesen. Alter hanseatischer Tradition folgend, vergaß er nicht den Einsatz für seine Vaterstadt: 1871 wurde er erstmals in die Lübecker Bürgerschaft gewählt.

Rund drei Jahrzehnte hat er dort der Finanzdeputation angehört. Drei Jahre nach Firmengründung trat Fehling der Kaufmannschaft bei. Von ihr wurde er 1891 zum Mitglied der Handelskammer gewählt. Sein Name ist mit der Förderung und Nutzbarmachung des Elbe-Trave-Kanals unzertrennbar verbunden. So wurde er nach Fertigstellung des Kanals 3 Mal hintereinander zum Präses der Handelskammer gewählt.

Außerdem war er Mitglied der Kommission zur Neuordnung der Kaufmannschaft und war maßgeblich an der Förderung der Eisenbahnverbindungen Lübecks und am Ausbau der Seehäfen beteiligt. Die Industrie förderte er, indem er sich an der Gründung des Hochofenwerkes richtungsweisend beteiligte. Während der Vorbereitungen für den deutsch-russischen Handelsvertrag setzte er sich erfolgreich für den Erhalt der Beziehungen mit Finnland ein. Dem Wunsche seiner politischen Freunde folgend, ließ sich Fehling1887 als Kandidat der National-liberalen Partei für die Wahl zum 3. Deutschen Reichstag aufstellen und wurde daraufhin bis 1890 zum Reichstagsabgeordneten für Lübeck gewählt.

In Lübeck hatte sich Fehling inzwischen erfolgreich für die Errichtung einer Pferdebahn, dem Vorläufer der späteren Straßenbahn, eingesetzt, die führend im innerstädtischen Verkehr werden sollte. Über mehrere Jahre hinweg war er österreichischer Konsul in Lübeck, bis ihn seine vielfältigen anderen Verpflichtungen zur Niederlegung dieses Amtes veranlassten. Für die Lübecker war er aber weiterhin „Konsul Fehling“.

Zur Zerstreuung und zur Erholung von seinen vielfältigen Pflichten verbrachte Fehling die Sommermonate in seinem geliebten Travemünde. Er war maßgeblich an der Gründung des Lübecker Yachtclubs mit Sitz in Travemünde beteiligt und war 1898 ihr 1. Vorsitzender. Unter dem Eindruck des verheerenden Ostseehochwassers von 1872 machte sich Fehling um die Küstenbefestigung und den Ausbau des Badewesens um Travemünde verdient.

Auch die Pferderennbahn auf dem Priwall mit ihren sommerlichen Renntagen, die kontinuierliche Durchführung der Travemünder Woche mit ihren Segelregatten und die Errichtung der wunderschönen Strandpromenade sind auf seine Anregungen zurückzuführen.

Straßenschild Fehlingstraße in TravemündeSein liebster Spaziergang führte ihn stets auf das Brodtener Steilufer, wo sein Lieblingsaussichtsplatz auf halbem Wege nach Niendorf nach ihm „Hermannshöhe“ genannt wurde. Auf seine Anregung hin wurde auch der Beginn des Wanderweges in Höhe des heutigen Travemünder Golfplatzes aufgeforstet.

Travemünde erwies ihm 1890 mit der Verleihung der Ehrenbürgerrechte seine Dankbarkeit und benannte ihm zu Ehren die Straße hinter dem Strandbahnhof nach seinem Namen.

Als Travemünde 1913, also Jahre nach Fehlings Tod, nach Lübeck eingemeindet wurde, übernahm die Hansestadt die Ehrenbürgerschaft.

Wolf-Rüdiger Ohlhoff

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