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125 Jahre Eisenbahn Lübeck - Travemünde

125 Jahre Eisenbahn Lübeck – Travemünde

1882 – 2007

Gegen den Widerstand des dänischen Königs Christian VIII ermöglichte die Eröffnung der Eisenbahn Lübeck-Büchen 1851 erst die Schienen-Verbindung der Hansestädte Lübeck und Hamburg, wenn auch über den Umweg über Büchen. Die Herzogtümer Holstein und Lauenburg standen bis 1864 unter dänischer Verwaltung.

Nach dem endlich 1868 die direkte Eisenbahnverbindung Lübecks über Bad Oldesloe nach Hamburg hergestellt war und der Verkehr ungeahnte Ausmaße annahm, konzentrierten sich die Bemühungen auf eine Anbindung der südschwedischen und dänischen Küstenregionen an die Handelsmetropole Lübeck.

Der Ostseehandel expandierte und die Hansestädte Kiel und Stralsund machten Lübeck erhebliche Konkurrenz. Die Direktoren der Lübeck-Büchener Eisenbahn (LBE) bemühten sich um eine Verlängerung der Strecke von Lübeck nach Travemünde. Doch der „Hohe Senat“ der Hansestadt lehnte zunächst ab, man wolle erst die Entwicklung des Eisenbahnwesens auf den dänischen Inseln abwarten. Die Schweden hatten bereits ihr Eisenbahnnetz bis Malmö ausgebaut!

1873 entstand die Eisenbahnverbindung Lübeck-Eutin. Die Vertiefung und Korrektur des Trave-Laufes zwischen Lübeck und Siems war dann letztendlich der Auslöser, die Projektierung des alten Gedankens der Eisenbahn nach Travemünde anzugehen.

Am 25.August 1880 beschloss die Generalversammlung der LBE die Travemünder Bahn als „Nebenbahn untergeordneter Bedeutung“ zu bauen. Gegen eine jährliche Entschädigung von 12.000 Mark wurde die Mitbenutzung der Eutin-Lübecker Eisenbahn zwischen Lübeck und Schwartau vereinbart.

Am 01.November 1881 wurde mit dem Bau begonnen. Da die Trasse aber ausschließlich auf dem schmalen lübschen Uferstreifen der Trave verlaufen sollte, mussten erhebliche Geländekorrekturen vorgenommen werden, so musste beispielsweise ein Moor zugeschüttet werden.

Dank des tatkräftigen Einsatzes der bauausführenden Firmen konnte bereits am 01.August 1882 der Personenverkehr nach „Travemünde Stadtbahnhof“ (so hieß damals der Hafenbahnhof) aufgenommen werden, der Güterverkehr folgte zweieinhalb Monate später. Die Strecke hatte eine Gesamtlänge von 19,74 km. Sie begann am alten Bahnhof vor dem Holstentor in Lübeck, der bis 1908 an der Lastadie (heute Teil der „Willy-Brandt-Allee“) lag, führte von dort über die heute noch vorhandene „Eutiner-Brücke“ über den Stadtgraben, vorbei an der Roddenkoppel und den Lagerplätzen der Holzhandlung Havemann, teilweise in der Trasse der heutigen Posener Straße und schwenkte dann vor der heutigen Autobahnbrücke in Bad Schwartau in das Travemünder Gleis. Der Bahnhof „Schwartau-Waldhalle“ war dann der erste Bahnhof auf Lübecker Gebiet. Über die Bahnhöfe Dänischburg, Kücknitz und Pöppendorf erreichten die Züge Travemünde. Der Betrieb wurde zunächst mit zwei kleinen Tenderlokomotiven, sie hießen „Zwerg“ und „Gnom“ – geliefert von der Fa. Krauss & Co, München, und 3 – 4 Personenwagen und einem Packwagen aufgenommen.

Mit der Betriebsaufnahme begann der Bäderverkehr in Travemünde ein ungeahntes Ausmaß anzunehmen, so dass bereits 1898 die Bahn vom Stadtbahnhof zum Strandbahnhof verlängert werden musste, der zunächst nur im Sommer bedient wurde. 1900 baute die LBE die gesamte Strecke als Hauptbahn aus. Nicht nur das Reisendenaufkommen nach Travemünde war stark angestiegen, sondern auch die Unterwegsstationen trugen ihren Teil zum wirtschaftlichen Erfolg der LBE bei. 1907 wurde der „Uferbahnhof“ Dänischburg-Herrenwyk in Betrieb genommen zur Bedienung des Hochofenwerks. Der vorgesehene zweigleisige Ausbau der Travemünde Strecke kam bisher leider nie zur Ausführung. Erst jetzt im 21. Jahrhundert wird dieses Vorhaben zur Bedienung der Hafenanlagen in Siems und am Skandinavienkai in Lübeck-Travemünde für die Abwicklung des Fährverkehrs zum Ende des ersten Jahrzehnts realisiert. Im Zusammenhang mit dieser Baumaßnahme wird die gesamte Strecke von Hamburg über Lübeck bis zum Skandinavienkai und zum Strandbahnhof dann auch elektrifiziert.

125 Jahre Eisenbahn Lübeck - Travemünde - Strandbahnhof

Am 08. Juli 1913 wurde die Strecke vom Stadtbahnhof in Travemünde bis nach Niendorf(Ostsee) eröffnet.

Auf der Travemünder Bahn war in den ersten Jahren nur die 2. und 3. Klasse zu finden. Der Personenverkehr hatte bereits in den 1890er Jahren so stark zugenommen, dass der Fahrplan schon 8 Zugpaare vorsah. 1914 fuhr bereits ein D-Zug – der D 65/66 – während des Hochsommers zwischen Hamburg und Travemünde.

Zur Bewältigung der gewaltigen Reisendenzahlen ließ sich die LBE speziell in der Verbindung Hamburg-Lübeck-Travemünde etwas gravierend Neues einfallen: Die Doppelstockwagen! 1936 wurden die von Baurat Mauck entwickelten Wagen der Weltöffentlichkeit vorgestellt und in Dienst genommen. Sie waren bis 1977 im Einsatz. Seit 2006 verkehren Doppelstockwagen der neuesten Generation wieder auf der alten Stammstrecke.

In den 1930er und 1940er Jahren wurde der „Seedienst Ostpreußen“ am Ostpreußenkai abgewickelt, die Bahn übernahm den Zubringerdienst.

In den 1950er und 1960er Jahren fuhren die Reiseveranstalter „Scharnow“ und „Hummel“ den Hafenbahnhof in Travemünde mit ihren Sonderfahrten an und brachten erholungssuchende Feriengäste nach Travemünde. In dieser Zeit boomt der Reiseverkehr gewaltig. Während der Sommermonate werden ständig – besonders an den Wochenenden – täglich etliche Sonderzüge zwischen (Hamburg)-Lübeck und Travemünde und zurück eingelegt, um den Andrang an sonnenhungrigen Fahrgästen zu bewältigen. In „Travemünde Hafen“ bestanden jeweils Anschlussmöglichkeiten per Bahn nach Niendorf (Ostsee) und per Schiff nach Schweden. Die Ansagen wurden von den Aufsichtsbeamten in deutsch, englisch und schwedisch gemacht. Travemünde ist international! Zur Bewältigung der Verkehrsabwicklung waren in den 1960er Jahren bei der Dienststelle Bahnhof Lübeck-Travemünde über 50 Mitarbeiter beschäftigt.

Der Fährverkehr mit den skandinavischen Ländern nimmt 1962 neue Formen an: Der Fährhafen „Lübeck-Skandinavienkai“ (LSK) in der Siechenbucht wird eingerichtet. Eisenbahngüterwagen werden zunächst über die verlängerten Hafenbahngleise in den Fährhafenbereich befördert.

1975 wird der Eisenbahn-Gütertarifpunkt „Lübeck-Skandinavienkai“ in Betrieb genommen, erster Spatenstich am 14.04.1972. Das Gleis zum Skandinavienkai zweigt in km 12,6 aus dem Streckengleis ab und unterquert die B 75 und endet in dem neuen Betriebsbahnhof der Lübecker Hafengesellschaft (LHG).

Am 29.09.1974 wurde die Strecke Travemünde-Niendorf (Ostsee) mit den Haltepunkten „Travemünde Nord“ und „Lübeck-Brodten“ aufgelassen.

Ab Februar 1975 verkehrt „Railship I“ zwischen LSK und dem finnischen Hafen Hanko. Die Besonderheit dieser Linie: Es werden Eisenbahnwagen trajektiert, im ersten Betriebsjahr insgesamt 2388 Wagen mit 77.715 t Ladung.

1980 wird in Km 17,5 in Höhe des Skandinavienkais der Haltepunkt mit dem längsten Namen bei der DB „Lübeck-Travemünde Skandinavienkai“ mit einem 300 m langen Bahnsteig für die Reisenden im Fährverkehr eingerichtet.

Im November 2003 wird in der gesamten Lübecker Eisenbahnregion die alte mechanische Signalsicherungstechnik außer Betrieb genommen und durch die elektronische Stelltechnik (ESTW) ersetzt. Eine personelle Besetzung ist in Travemünde nicht mehr erforderlich.

Das Empfangsgebäude am Hafenbahnhof aus dem Jahre 1911 wurde bereits vor Jahren verkauft. Das unter Denkmalschutz gestellte Empfangsgebäude Lübeck-Travemünde Strand von 1913 wurde 2005/06 restauriert und einer neuen Bestimmung übergeben (Neueröffnung am 23. Mai 2006).

Heute führt nur noch ein Gleis bis zum Endpunkt am Strandbahnhof. Travemünde hat in der neuen privatisierten Bahnlandschaft seinen Gleisanschluss behalten.

Zug beim Skandinavienkai in Travemünde

Im April 2005 wurde das Streckengleis von km 16,3 bis vor das Einfahrsignal des Hafenbahnhofs im Zuge der Erweiterung des Hafengebiets am Skandinavienkai verschwenkt. Der Haltepunkt „Lübeck-Travemünde Skandinavienkai“ wurde in die Nähe des Pommernzentrums verlegt.

Gert-E. Thalau

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