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Travemünder Notizen

Heft 1 / 385  Januar bis März 2021

01.–04. Oktober 2020: Die Siedlergemeinschaft Travemünde hat Grund zum Feiern. Vor nunmehr 85 Jahren, genauer gesagt am 2. Oktober 1935, wird der Grundstock für die Siedlung durch die Fertigstellung von 36 Einzelhäusern begonnen. Bedingt durch die Pandemie ist der Rahmen der Feierlichkeiten beschränkt. Aber mit liebevoll geschmückten Häusern und Vorgärten strahlt die Siedlung Festlichkeit aus.

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An der Travepromenade beginnen die Sanierungs- und Umbauarbeiten. November 2021 soll der Teilabschnitt des Projektes fertig sein. Ein Teil der Arbeiten ist der Neubau von Gebäuden. Um Platz dafür zu schaffen werden der Pavillon der Bäckerei Junge und auch das Gebäude von “Fisch-Paul“ abgerissen. Im Jahr 2022 sollen nun die Wiedereröffnungen beider in neuem Ambiente sein.

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Die 12. WindArt Travemünde wird beendet. Der Anblick der Exponate erfreut immer wieder die Augen der Betrachtenden. Neues, und auch schon länger Anzuschauendes, es ist stets abwechslungsreich. Dank des Windes, der leichtes Spiel hat, diese veränderten Anblicke darzustellen.

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06.–10. Okt.: Die Hausecke eines Wohnhauses in der Boelckestraße bricht bei Bauarbeiten weg. Es muss evakuiert werden. Es besteht Einsturzgefahr. Ein Alptraum wird für die Bewohner und Bewohnerinnen der fünf Wohnungen zur Realität. In der Nacht brechen nach dem Abbruch der Ecke weitere Teile der Hauswand weg. Nun wird auch das Nachbarhaus geräumt, da ein Zusammensturz des betroffenen Hauses dieses ebenfalls gefährden würde. Unter den Trümmern liegt ein ganzer Teil des Hab und Gutes der Bewohner. Der nicht abgestürzte Rest ist ebenfalls nicht mehr zu retten. Die Mieter der auf dem der Abbruch abgewandten Seite, können am nächsten Tag noch ein paar Sachen ausräumen. Ein sehr großer Teil der persönlichen Erinnerungen und Gegenstände fällt dem Bagger zum Opfer. So gut es geht wird sorgsam darauf geachtet, das eine oder andere noch aus den Trümmern zu bergen. Um die Versorgung der evakuierten Mieter kümmert sich die Wohnungsbaugesellschaft. Die Polizei nimmt Ermittlungen auf. Zum großen Glück in diesem Unglück wird niemand verletzt.

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Bedingt durch die Pandemie findet die Jahreshauptversammlung des GVT erst im Oktober statt. Gemäß der Tradition wird der neue Bürgerpreisträger nominiert. In diesem Jahr geht der Preis an Stephan Kanow. Er engagiert sich seit etlichen Jahren bei der Travemünder Siedlergemeinschaft, deren Vorsitzender er ist.

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In der Stadtschule laufen die Umbauarbeiten zum Stadtteilbüro. Anfang 2021 soll eröffnet werden.

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18.–21. Okt.: Ein Sonntag im Oktober. In Zeiten der Pandemie ist der Drang der Menschen nach Meer und frischer Luft ungebrochen, fast scheint es als sei er sogar gesteigert. So kommt es, trotz nicht ganz einladendem Wetters, zu Staubildung auf der Autobahn. Die Promenaden sind sehr gut besucht.

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Es ergeht wieder ein Appell, die Einhaltung der Corona-Regeln nicht zu vernachlässigen. Der Inzidenzwert in Lübeck steigt und ist jetzt auf dem Stand wie im März. Die 7-Tage Inzidenz liegt bei 21,5. Es muss jeder, der sich nicht an die Regeln hält, mit einem Bußgeld rechnen. Steigt er auf einen Wert von 35, hat das Land die Ausweitung des Tragens der Mund-Nasen-Bedeckung und eine Sperrstunde in der Gastronomie ab 23:00 Uhr angekündigt.

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23.–30. Okt.: Die Weihnachtsmärkte werden abgesagt. Die Gastronomiebetriebe müssen in der Zeit von 23 Uhr bis 6 Uhr geschlossen sein. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung wird in der Vorderreihe, auf allen Promenaden und auf dem Fährplatz zur Pflicht. Die Anzahl von Personen, die an öffentlichen oder privaten Veranstaltungen teilnehmen, wird begrenzt. Grund der Maßnahmen: Die Inzidenz steigt auf 44,8 .

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Martinshörner und das Knattern des Rettungshubschraubers sind zu hören. Meldung: Im Wasser treibende Person. Das Ziel der Einsatzkräfte ist die Strandpromenade. Es wird schnell festgestellt, dass die Person glücklicherweise nur Schwimmen war und wohlbehalten an Land zurück ist.

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Erweiterte Maßnahmen zum Eindämmen der Höhe der Inzidenz, die jetzt bei über 50 liegt, werden ergriffen. U. a.: Im öffentlichen Raum werden die Kontakte auf 10 Personen beschränkt. Ebenso wird die Anzahl von Personen, die an öffentlichen oder privaten Veranstaltungen teilnehmen, nunmehr auf 100 Personen reduziert. An den Schulen gibt es eine Maskenpflicht auch im Unterricht.

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Auf dem Baggersand wird kräftig gebaggert. Spundwände werden gesetzt. Vorbereitende Maßnahmen zum Bau der Tiefgarage. Dies ist der Anfang einer umfangreichen Baumaßnahme. Da im Vorfeld schon die Anzahl der zu erwartenden Baufahrzeuge avisiert wurde, wird nun eine geänderte Verkehrsführung im Bereich Kurgartenstraße, Vogteistraße und Gneversdorfer Weg umgesetzt. Diese führt zu einer kontroversen Auseinandersetzung, und wird sehr kritisch betrachtet.

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01.–03. Nov.: Notruf für die „Hans Ingwersen“. In Höhe des Möwensteins sind Hilferufe gehört worden. Diese kommen vom Wasser. Es ist bereits dunkel. Mit Scheinwerfern wird auf See gesucht. Die Feuerwehr fährt von Land her ihre Drehleiter aus. Sie sucht mittels einer Wärmebildkamera das Wasser ab. Jede Minute zählt, denn die Wassertemperatur liegt um die 12°. Es werden drei Personen gefunden, an Bord genommen und sofort zum Anleger der Norderfähre verbracht. Dort warten schon die entsprechenden Rettungseinheiten. Mit Unterkühlungen kommen sie in die Uni-Klinik Lübeck. Es ist alles gutgegangen. Ein sehr gut funktionierendes Rettungssystem hat dazu beigetragen.

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Der Promenadenrundlauf wird geschlossen. Die Norderfähre fährt nun auch in den Wintermonaten. Zunächst als Versuch. Man will die Annahme des Angebots abwarten.

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Touristische Übernachtungen sind nicht mehr gestattet. Die Gastronomie ist geschlossen. Dies hat zur Folge, dass nicht mehr viel Publikumslauf herrscht. Aus diesem Grund wird die Maskenpflicht auf den Promenaden und der Vorderreihe ganzheitlich aufgehoben.

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Die kreativen Ideen gehen in dieser Zeit nicht aus. Das Maritim grüßt wieder durch Lichtsignale. Die Stehlampen in den Zimmerfenstern werden so eingeschaltet, dass sie ein Herz stilisieren.

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05.–10. Nov.: Neues aus dem Hafen: Nach der erfolgreichen Teilnahme am 5G-Innovationswettbewerb mit dem Projekt „Baltic Future Port“, ist es gelungen unter den 10 bundesweit herausragenden Konzepten zu sein. Damit ist die Prämierung einer Umsetzungsförderung gegeben. Hierfür gibt es nun Bundesmittel in Höhe von 3,6 Millionen Euro. Unter anderem geht es zum Beispiel um die Erprobung Logstikabläufe zu digitalisieren und damit effizienter zu gestalten.

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Da zurzeit alle gastronomischen Einrichtungen geschlossen sind, wird der Winterbetrieb der Norderfähre auf das Wochenende reduziert.

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Wir müssen uns coronabedingt weiter einschränken. Das hat zur Folge, dass Gedenktage nicht traditionsgemäß mit vielen Personen durchgeführt werden können. So findet auch am Volkstrauertag keine Gedenkfeier statt.

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12.–20. Nov.: Immer wieder von verschiedenen Seiten gefordert: Mehr Mülleimer in der Vorderreihe. Jetzt sind sie da.

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Immer wieder Thema: Sitzbänke. Diesmal sind es die Sitzbänke auf der Priwallpromenade. Sie kommen nicht nur ins Schwarzbuch der Steuerzahler, sondern auch in die Fernsehsendung „Brisant“.

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Im Fahrradunterstand am Hafenbahnhof kommt es zu massiven Sachbeschädigungen an den dort abgestellten und abgeschlossenen Fahrrädern.

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Bestes Wetter hat viele Gäste nach Travemünde gelockt. Es wird schwierig mit den Abstandsregeln. Nun gilt wieder auf der Priwall- und der Travepromenade zu bestimmten Zeiten Maskenpflicht. Ebenso in der Vorderreihe. Die Strandpromenade ist ausgenommen, aber mit entsprechenden Schildern versehen. Dies führt zu Unsicherheit in der Handlungsweise der Passanten.

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23.–29. Nov.: Für Klarheit ist an der Strandpromenade nun hinsichtlich des Tragens einer Maske gesorgt. Die Schilder werden umgestellt.

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Es beginnt so langsam die Vorweihnachtszeit. Mit dem Weihnachtsbaum an der Nordermole grüßen wir die Seefahrer und die Passagiere der Fähren.

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Die „Hans Ingwersen“ läuft aus. Diesmal nicht zu einem Rettungseinsatz, sondern um ihre Nachfolgerin die „SRB 80“ zu begrüßen. Der Name klingt merkwürdig. Es ist eine DGzRS-interne Registriernummer. Da aus Gründen der Pandemie die im Dezember vorgesehene Taufe nicht stattfinden kann, muss dieser Name jetzt erst einmal herhalten. Der eigentliche bleibt bis zur Taufe noch ein Geheimnis. Nach 20 Jahren Dienstzeit verlässt nun die „Hans Ingwersen“ Travemünde, um als Springerboot eingesetzt zu werden.

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Die Maskenpflicht wird verlängert und gilt nun auch im Hafen-und Strandbahnhof. Ebenso am Haltepunkt Skandinavienkai.

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01.–04. Dez.: Das ganze Jahr über hilft und unterstützt die Seemannsmission Seeleute. Die liebevoll gepackten Päckchen der Lübecker Seemannsmission tragen in unserem Hafen Weihnachten an Bord. In der Weihnachtszeit sind sie besonders gefordert. In diesem Jahr um vieles mehr. Durch die Pandemie konnten unterjährig viele Seeleute, vor allem von den Philippinen kommende, nicht nach Hause. Umgekehrt konnten die Seeleute nicht zur Ablösung an Bord, da die Flüge zum Teil eingestellt waren. Diese Belastung ist groß.

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Es ist gut, gewisse Rituale in dieser Zeit beibehalten zu können. Die Weihnachtsbeleuchtung gehört dazu. Und sie ist wieder da. Die Kastenlinden in der Vorderreihe leuchten weihnachtlich. Wir wissen dieses Jahr nicht, wer dazu verholfen hat, aber diejenigen haben uns eine große Freude bereitet.

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Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Wer in den Weihnachtsgottesdienst gehen will, muss sich jetzt anmelden.

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Die Großfeuerwerke am Strand und die Lasershow entfallen dieses Jahr.

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06.–11. Dez.: Es kommen weitere Straßen und Plätzen hinzu, auf denen die Pflicht zum Tragen einer Maske besteht. Der Tagestourismus bei uns wird jeweils von Donnerstag bis Sonntag untersagt. Ausgenommen sind Bewohner und Bewohnerinnen Lübecks mit Erst- und Zweitwohnsitz. Es finden vielfache Kontrollen statt.

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Wurden Maßnahmen zur Corona-Pandemie im November nur verschärft, kommt nun ein neuer Lockdown. Jetzt – kurz vor Weihnachten – müssen der Einzelhandel und einzelne Dienstleistungsbranchen schließen. Dazu gehören auch Baumärkte. Ebenso die Friseure. Der Lebensmittelhandel, sowie Wochenmärkte bleiben geöffnet. Auch Banken, Postagenturen und Geschäfte für Tierfutterbedarfe, sowie Drogerien und Apotheken. Abhol- und Lieferservices funktionieren weiterhin. Reinigungen stehen auch zur Verfügung. Der Verkauf von Weihnachtsbäumen ist erlaubt. Der Verkauf von Pyrotechnik wird, im Hinblick auf die Regeln zu Silvester, verboten.

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Ende November ist man noch überzeugt die Weihnachtsgottesdienste unter entsprechenden Hygienemaßnahmen, die Erhöhung der Anzahl und einer Anmeldung durchführen zu können. Nun muss man die Weihnachtsgottesdienste dieses Jahr absagen.

 

19.–24. Dez.: Die Kontrollen zur Einhaltung des Verbots des Tagestourismus werden nun auch an der B 75 vorgenommen. Verstöße werden mit Bußgeldern geahndet.

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Der Schwellenwert ist überschritten. In Lübeck ist die Zahl der Neuinfektionen bei einem Inzidenzwert von 230 angekommen. Neue Erlasse des Landes greifen nun auch bei uns. U. a.: Kontakte sind auf das Nötigste einzuschränken. Einkaufen nur noch eine Person pro Haushalt.

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Am alten Leuchtturm herrscht Stille. Der traditionelle Heiligabendtreff am Leuchtturm fällt in diesem Jahr aus. Wie so vieles, was zu unserem Weihnachtsfest dazu gehört, auch die Gottesdienste. Aber Weihnachten fällt nicht aus, es findet statt. Wenn auch anders als gewohnt.

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26.–30. Dez.: Das Jahr neigt sich dem Ende. Sechs Bft fegen durch den Ort. Mancher Bauzaun hält dem nicht stand. Der Strand wird breiter und der Pegel sinkt.

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Und dann kommt da noch ein Hauch von Winter. Es reicht aber nur für eine leichte, weiße und schnell vergängliche Schneeschicht.

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An Bord der „Finntrader“ gibt eine Rampe nach. Ein Trailer mit 28 Tonnen Ameisensäure als Ladung hängt zwischen zwei Decks. Der Fahrer der Zugmaschine, welcher den Auflieger entladen wollte, hat Glück – er wird nur leicht verletzt. Ein Absturz kann verhindert werden. Durch das gute Zusammenspiel der Berufsfeuerwehr, den Freiwilligen Feuerwehren mit den Löschzügen Gefahrgut und Wasser, den Rettungsdiensten, dem THW und einer Bergungsfirma mittels Bergungskränen kann nach neun Stunden der inzwischen gesicherte Trailer an Land geborgen werden. Es kommt auch zu keiner Leckage.

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31. Dez. 2020: Kalli, Linus und Lumi stehen nun zum Jahresende an der Strandpromenade. Dort stehen sie dieses Jahr ziemlich alleine. Die Großfeuerwerke sind abgesagt. Ein Feuerwerksverbot gilt für die Promenaden, den Brügmanngarten und die Strände. Es ist ein ruhiger letzter Tag in 2020. Es wird wohl auch eine ruhige Nacht sein. Die Nacht des Jahreswechsels 2020/2021.

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Sabine Haltern/GVT

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